Künstlerstipendium: Michael Göbel zeigt ab sofort seine Werke in Willingshausen

Reduziert auf die Form

Transformation: Der Mittelpunkt der Ausstellung in der Kunsthalle ist ein um 50 Prozent verkleinerter Nachbau eines Tanzbodens. Michael Göbel hat die Skulptur aus Holz angefertigt. Foto: Rose

Willingshausen. Die Willingshäuser sind sowohl kulturell aufgeschlossen als auch geschult: Das attestierte ihnen am Donnerstagabend Dr. Thomas Wurzel von der Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen. Seit 15 Jahren ist die Stiftung zusammen mit art regio – dem Kulturengagement der Sparkassen-Versicherung – der Gemeinde Willingshausen und dem Kreis Träger des Künstlerstipendiums. Von Juni bis September arbeitete der Kasseler Künstler Michael Göbel in Willingshausen. Am Donnerstagabend war Ausstellungseröffnung. Der Titel: „Inseln“.

Kurator Bernhard Balkenhol hielt vor 50 Gästen die Einführung. „Die Künstler nehmen hier immer wieder eine Herausforderung an: Sie verlassen ihren eigenen Ort, um sich auf dieses Dorf einzulassen – oft auch künstlerisch“, erklärte der Kurator.

Mann im Friesennerz

Michael Göbels Titel „Inseln“ wirke zunächst harmlos: Ein Mann im gelben Friesennerz, der an die Grenze des Dorfes komme. Grenzen, also kleine Inseln, seien aber auch im Dorf zu entdecken. „Menschen, die sich abschotten oder zusammen tun“, verdeutlichte Balkenhol. Inseln seien auch Zimmer, Keller, Treppenaufgänge – Gebiete, die man absperrt, um allein zu sein.

Solche Inseln transformiere Michael Göbel mit Filzstift. Es entstehe eine grafische Textur, die jede Handschrift vermissen lässt. „Göbel muss die Inhaltlichkeit vergessen und die bloße Form aufs Papier bringen“, erklärte der Kurator. Dabei wähle der Künstler den leisesten Ton, das lichteste Grau. Damit gleiche die Schraffur einer Illusion, die verschwinde. „Wie ein Nachbild im Kopf“, sagte Balkenhol.

Eine formale Transformation sei auch der um 50 Prozent verkleinerte Nachbau eines Tanzbodens. Göbel habe ihm durch das einheitliche Einfärben in blau seine Materialität genommen. „Es bleibt die bloße Form übrig. Und die Provokation“, erläuterte der Kurator. Auf Glasscheiben hat der Stipendiat Treppenaufgänge verewigt – hineingeätzt. „Man sieht eigentlich viel und doch nichts“, sagte Balkenhol.

Der nahezu ungünstigste Blickwinkel sei der Schlüssel für die Betrachtung. „Je weiter ich weggehe, umso mehr kann ich erkennen. Nähere ich mich dem Motiv, verschwindet es“, erklärte Balkenhol. Wie Mücken das Licht suchten, so würden die Menschen auch von erleuchteten Fenstern angezogen: „Schauen auch Sie genau hin: Dann haben Sie die Bilder im Kopf – und sie können hier hängen bleiben“, empfahl der Kurator.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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