Nachgefragt bei VW, K+S, Sartorius, B. Braun und SMA 

SPD will Recht auf Home Office stärken: Diese Modelle nutzen Unternehmen aus der Region

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Zuhause arbeiten statt im Büro: Das sogenannte Homeoffice kommt heute theoretisch für 40 Prozent der Beschäftigten infrage, doch nur wenige nutzen es. Die SPD will das nun per Gesetz regeln. 

Die SPD will mit einem milliardenschweren Programm Home Office fördern. Bei regionalen Unternehmen wie VW ist das bereits ein oft genutztes Modell. 

Die SPD will mit einem milliardenschweren Programm den Sozialstaat neu aufstellen und Arbeitnehmern auch ermöglichen, mehr von zu Hause aus arbeiten zu können. „Wir werden ein Recht auf mobiles Arbeiten und Homeoffice gesetzlich verankern, damit mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von den digitalen Vorteilen profitieren können“, heißt es in einer 17-seitigen Vorlage für die Klausur des SPD-Vorstands am kommenden Wochenende. Diese reagiert auch auf die Veränderungen der Arbeitswelt.

Beschäftigte sollen zugleich davor geschützt werden, dass der Arbeitgeber ständige Erreichbarkeit oder Präsenz verlangt. Überstunden – auch bei der Arbeit im Homeoffice – sollen so auf Zeitkonten verbucht werden, die auch bei Jobwechseln nicht verfallen sollen.

40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland könnten heute theoretisch von zu Hause aus arbeiten, betont die Partei. Nur zwölf Prozent bekämen aber ihren Wunsch nach flexibler Arbeit bislang erfüllt. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte zustimmend: „Homeoffice sollte grundsätzlich für alle Beschäftigten möglich sein, aber für die Arbeitnehmer immer freiwillig bleiben, denn auch für klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben gibt es gute Gründe“, sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Wichtig sei eine klare Regelung für Überstunden, Arbeits- und Unfallversicherungsschutz.

Eine Sprecherin von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erklärte, das Ministerium werde in diesem Jahr Vorschläge machen, „wie mobiles Arbeiten und Homeoffice-Lösungen sinnvoll gestaltet werden können“. Dabei gehe es um Zeitsouveränität, Flexibilität und Rechtssicherheit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die konkrete Ausgestaltung bleibe abzuwarten. Mit der Union hatte die SPD im Koalitionsvertrag vereinbart, dass die Bundesregierung mobile Arbeit fördern und erleichtern wolle.

Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom erwartet fast jedes zweite Unternehmen, dass der Anteil ihrer Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, in den kommenden fünf Jahren steigen wird. Viele Unternehmen haben dabei genaue Regeln. So haben beispielsweise drei von vier Betrieben bestimmte Tage festgelegt, an denen kein Homeoffice erlaubt ist, damit alle Mitarbeiter für gemeinsame Termine zur Verfügung stehen. Bitkom hatte mehr als 800 Geschäftsführer und Personalverantwortliche befragen lassen.

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Auch bei größeren Unternehmen in der Region ist Homeoffice ein gängiges Arbeitsmodell

Volkswagen hat 2016 eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die den Beschäftigten mehr Möglichkeiten für mobiles Arbeiten bieten soll. Am Standort Baunatal nutzen 1000 von 17 100 Beschäftigten das Angebot, in ganz Deutschland sind es 18 000 VW-Beschäftigte.

Beim Göttinger Pharmazulieferer und Laborausrüster Sartorius ist die Arbeit von zu Hause aus üblich: Rund 25 Prozent der 2600 Mitarbeiter am Stammsitz Göttingen nutzen dieses Modell. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, erklärt das Unternehmen. Mitarbeiter, die in Vollzeit von zu Hause aus arbeiten, etwa Servicetechniker und Vertriebsmitarbeiter im Außendienst, bekommen 75 Euro monatlichen Mietkostenzuschuss. Zudem werden ihnen Büroeinrichtung und IT-Ausstattung gestellt.

Der Kasseler Kali- und Düngemittelkonzern K+S schließt prinzipiell keine Abteilung vom Homeoffice aus. Es läge im Ermessen des jeweiligen Vorgesetzten, ob der Mitarbeiter vom Homeoffice aus arbeiten kann. Auch bei Meetings könnten sich die Mitarbeiter per Telefon oder per Skype häufig zuschalten.

Der Medizintechnik- und Pharmahersteller B. Braun Melsungen hat bereits 2002 eine Betriebsvereinbarung geschlossen, die für alle Beschäftigten gilt, die in Telearbeit oder mobilen Arbeiten tätig sind.

Der Kasseler Solarspezialist SMA bietet seinen Mitarbeitern bereits seit einiger Zeit mobiles und smartes Arbeiten an.  mit dpa/epd

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