Jaqueline Niedzielski erinnert sich an die Flucht vor 21 Jahren aus der DDR

Flucht vor 21 Jahren: Reise endete im Westen

Lieblingsspielzeug: Das Stoffäffchen Monchichi zählt zu den wenigen Erinnerungsstücken, die Jaqueline Niedzielski aus DDR-Zeiten hat.  

Neukirchen. „Wir flüchteten am 6. Oktober 1989, vier Wochen vor der Grenzöffnung“, erzählt Jaqueline Niedzielski. Damals wohnte die Familie der Neukirchenerin in Schwarzheide in der Lausitz. Während der Unruhen in der DDR fasste Jaquelines Mutter den Entschluss, über Ungarn zu fliehen: „Sie wollte schon immer in den Westen und diese Chance nicht verpassen.“

Mit ihren vier Kindern, neben Jaqueline noch eine Schwester und ein Zwillingspärchen, ging es in den Trabbi auf Urlaubsreise nach Ungarn. Bei der Flucht trug Jaqueline einen Gürtel um den Bauch, worin Pässe und Dokumente eingewickelt waren. Die Anweisung der Mutter: „Wenn wir erwischt werden, dann sagst du, du hast Durchfall, gehst aufs Klo und wirfst alles hinein“, erzählt sie.

Die Familie kam über Deggendorf in den Westen, übernachtete im Auffanglager. „Ich kann mich da nur an den Schokoladenpudding mit Sahne erinnern, das gab es bei uns bis dahin nicht“, erzählt die heute 34-Jährige.

Schülerin aus dem Osten

Nächste Station für die Flüchtlinge war Schwarzenborn. Bei der Knüllkaserne wohnte die Familie im Offiziersheim. Ein Jahr blieb sie dort und zog später nach Neukirchen. Ein wichtiges Erlebnis war die Einschulung in der Steinwaldschule Neukirchen. Sie sei die erste Schülerin gewesen, die aus der DDR kam. Als Erinnerung bleibt das Gefühl, etwas Exotisches gewesen zu sein.

Die Kindheit in der DDR? Die Schule sei ganz anders gewesen. „Aufstehen, zum Papierkorb gehen mitten im Unterricht, das wäre ein Skandal gewesen“, erzählt sie. „In der DDR mussten wir diszipliniert mit dem Pioniertuch in Reihen sitzen.“ Sichtbare Erinnerungen aus der Zeit gibt es nicht mehr viele: Ein Zeugnisheft und ihr Monschischi, das war aus dem Westen in die DDR gekommen. Jaqueline Niedzielski hatte das daumenlutschenden Stoffäffchen aus einem Intershop. „Ansonsten hatten wir vor der Flucht alles verschenkt.“ Deswegen erschien ihr der erste Moment, als die Mauer kurz nach der Flucht fiel, bitter: „Wir hatten soviel zurück gelassen. Alles umsonst.“ Dafür reist sie heute so oft wie sie will in ihre ehemalige Heimat. An ihre Kindheit erinnert sie sich gern. Auch heute noch fährt sie gern zur Oma in die Lausitz. Artikel unten

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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