Lisa Eyck war zu Gast in Gudensberg, aus der ihre Familie einst vertrieben wurde

Reise in die Vergangenheit

Sie blätterten in der Historie: Lisa Eyck und ihr Sohn Andrew mit alten Zeitungen aus Gudensberg. Foto: Eberlein

Gudensberg. In der Hornungsgasse in Gudensberg steht das Haus, das einst den Großeltern von Lisa Eyck gehörte. Die jüdische Familie lebte und arbeitete bis 1935 dort. Großvater Markus Elias war Schuhmacher und hatte in dem Haus seine Werkstatt. Er verkaufte die Schuhe und Stiefel, die er fertigte, in Gudensberg und in der Umgebung.

Die heute 91-jährige Lisa Eyck lebt in Amerika. Anlässlich der Verlegung zweier Stolpersteine für ihre Großeltern in Hamburg war sie mit ihrem Sohn Andrew angereist und besuchte auch Gudensberg.

Viele schöne Tage habe sie in ihrer Kindheit, während der Ferien dort verbracht, erzählte sie. Sie erinnere sich noch genau an die Werkstatt des Großvaters und dass es für sie damals nichts Schöneres gab, als dort zu sitzen und zu beobachten.

„Ich liebte es, meinem Großvater zuzuschauen, wenn er Schuhe machte“, sagt sie. Damals wusste sie noch nicht, welch furchtbares Schicksal ihren Großeltern widerfahren sollte.

Kurz bevor der Schumacher Markus Elias und seine Frau Veilchen Gudensberg 1935 verließen, wurde er auf offener Straße von Nationalsozialisten misshandelt und starb kurz darauf in Hamburg an den Folgen der Gewalttat. Seine Frau Veilchen wurde einige Jahre später zunächst nach Theresienstadt, später nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

Als die Situation in Deutschland für die Familie nicht mehr zu ertragen war, beschlossen die Eltern von Lisa Eyck, das Land zu verlassen. Über die Schweiz und England gelangten sie schließlich auf die SS Washington. Sie war das letzte Schiff, das von London aus in die USA fuhr, und mit ihr kehrten die Eycks ihrer alten Heimat den Rücken.

Doch Deutschland und auch Gudensberg sind niemals aus ihren Gedanken verschwunden. Trotz der schrecklichen Erlebnisse sind Lisa Eyck und ihr Sohn Andrew bis heute an der alten Heimat der Familie interessiert.

Ein Wunsch erfüllte sich

Bei ihrem Besuch am vergangenen Dienstag besichtigten sie neben dem Haus in der Innenstadt auch den jüdischen Friedhof von Obervorschütz. Damit hat sich der Wunsch der alten Dame erfüllt, den Wohnort ihrer Großeltern noch einmal zu besuchen.

Für sie habe es niemals ein christliches und ein jüdisches Gudensberg gegeben, sagte die alte Dame: „Es ist Gudensberg und meine Familie war 200 Jahre lang Teil dieses Ortes.“

Von Christl Eberlein

Quelle: HNA

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