Im Stall von Landwirt Schenkel scheint Zeit stehengeblieben zu sein

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Traditionell: Christian Schenkel inmitten seines alten Stalles, hinter ihm seine drei Milchkühe. Der 75-Jährige bezeichnet sich als landwirtschaftlicher Rentner und führt den Hof auf die traditionelle Weise wie vor einigen Jahrzehnten.

In unserer Adventsserie widmen wir uns täglich einem Stichwort aus der Weihnachtsgeschichte. Heute steht der Stall im Mittelpunkt. Dieser soll sich in Bethlehem befunden haben, Josefs Geburtsstadt. Mit Maria fand Josef in einem Stall Zuflucht. Einen traditionellen Stall hat Christian Schenkel aus Wolfhagen.

Wolfhagen. Einsam liegt der landwirtschaftliche Hof von Christian Schenkel am Ortsausgang von Wolfhagen in Richtung Leckringhausen. Einsam sei er zwar nicht, sagt der 75-Jährige, dennoch bewirtschaftet er das Anwesen ganz allein. Und ein Besuch bei Schenkel mutet an wie eine Reise in die Vergangenheit: Kein Telefon, keine Heizung, kein Auto, die modernsten Maschinen sind ein Mähdrescher und ein Schlepper - beide 30 Jahre alt. Ähnliches gilt für seinen Stall: Dort hält der landwirtschatliche Rentner auch noch drei Milchkühe - und das wie bereits vor vielen Jahrzehnten.

Überhaupt hat sich auf dem Anwesen mit 0,75 Hektar Fläche seit den Fünfziger Jahren nicht viel verändert. Angefangen hat Schenkels Leben auf „seinem“ Hof mit der Geburt vor 75 Jahren. Sein Vater verlor durch die Inflation im Jahr 1924 seinen Job bei der Ziegelei Böttcher und musste neu anfangen. Er baute den Hof im Jahr 1928, vier Jahre später folgte das Wohnhaus, in dem Christian Schenkel bis zum heutigen Tage in einfachsten Verhältnissen lebt.

Zwar habe er durchaus früher einige Freundinnen gehabt, eine Ehe mit einer Frau wollte aber nicht entstehen. „Wie das Bauernlos halt so ist“, sagt er mit einem Lächeln und erklärt, wie die Damenwelt auf seine innige Bindung zum elterlichen Hof reagierte. Eine Frau habe mal gesagt: „Wenn du zu stolz bist, den Hof aufzugeben, dann brauchst du nicht mehr an meiner Tür klopfen.“

Schenkel klopfte offenbar nicht mehr an, stattdessen konzentrierte er sich auf seinen Job als Landwirt auf den geliebten Hof: „Etwas, was man von Anfang an mit aufgebaut hat, gibt man nicht so einfach auf“, sagt er zur Motivation, den Hof über all die Zeiten gehalten zu haben.

Und es gab aufregende und vor allem nicht nur angenehme Zeiten. Gerade während des Zweiten Weltkrieges und kurz danach gab es einige Überfälle und unangenehme Besuche auf dem Hof. Einmal, so Schenkel, sei das Hanfseil eines Bullen im Stall plötzlich manipuliert gewesen. Auf dem Heuschober fand er dann ein großes Messer und einen Schlafplatz im Stroh. Er vermutet, dass Fremde auf dem Schober lauerten, um ihn anzugreifen und den Hof in Besitz zu nehmen. Doch auch diese Phasen hat Schenkel im wahrsten Sinne überlebt, musste jedoch den Tod der Eltern überwinden und irgendwann alleine weitermachen. Aber er hat es geschafft.

Damit stellt er eine absolute Ausnahme dar, viele vergleichbare Höfe mussten in der Vergangenheit dichtgemacht werden, dies findet er „sehr traurig“. Froh ist der 75-Jährige aber darüber, dass er seine Zeit als Rentner auf dem landwirtschaftlichen Anwesen wesentlich entspannter angeht als früher. „Ich bin ein freier Mann, wenn ich heute etwas später aufstehe und die Tiere füttere, interessiert das niemanden.“ Bescheiden ist er, zufrieden wirkt er.

So verwundert es auch nicht, dass sein Wunsch für die Zukunft lautet: „Ich bin mein ganzes Leben hier gewesen, irgendwann sollen sie mich mit den Füßen voran vom Hof tragen“, sagt der Mann, dessen Markenzeichen ein blaues Fahrrad ist.

 

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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