Von der Großstadt ins 65-Einwohner-Dorf Relbehausen

Paar saniert Fachwerkhaus mit nachwachsenden Rohstoffen

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Es wird großzügig und lichtdurchflutet: Sebastian Vieth und Anna Spillner haben im Eingangsbereich ihres Fachwerkhauses ganze Wände weggerissen, um alles freundlicher zu gestalten.

Anna Spillner und Sebastian Vieth ziehen aufs Land, nach Relbehausen. Dort sanieren sie ein 170 Jahre altes Fachwerkhaus – nur mit nachhaltigen Baustoffen.

Anna Spillner und Sebastian Vieth haben eine besondere Gabe. Sie besitzen Vorstellungskraft. Und zwar jede Menge. Denn dort wo früher Dielen knarzten, schwere Bauernschränke standen und nur wenig Licht war, schaffen sie etwas ganz Neues.

Die Großstädter ziehen aufs Land und verwirklichen ihren Traum vom eigenen Haus. Sie sanieren in Relbehausen ein etwa 170 Jahre altes Fachwerkhaus – nur mit nachhaltigen Baustoffen.

In ihrem Kopf, vor ihrem inneren Auge, da ist schon längst alles fertig – und trotzdem ist nichts in Stein gemeißelt. Wenn ihnen eine bessere Idee kommt, dann probieren sie es einfach aus. Denn bis das Paar in das Fachwerkhaus einziehen kann, ist noch viel zu tun. „Wir wollen im nächsten Jahr einziehen“, sagt Sebastian Vieth. Dann sollen ein Raum, das Bad und die Küche fertig sein. Am Ende soll alles großzügig, hell und offen wirken.

Abends geht's auf die Baustelle

Jeden Abend nach Feierabend geht es für Sebastian Vieth und Anna Spillner auf die Baustelle. Sie reißen Wände heraus, stützen ab, erneuern Leitungen. „Die Treppe ist das Einzige, das drin bleiben muss“, sagt Spillner. Das habe das Denkmalschutzamt vorgegeben. „Wir wollen aber so viel erhalten wie möglich.“ Dabei verwendet das Paar ausschließlich natürliche Materialien und baut barrierefrei. Das Ziel: Ihr Projekt möglichst ressourcenschonend durch natürliche und nachwachsende Rohstoffe umzusetzen. „Nachhaltig zu sanieren war von Anfang an unser Wunsch“, sagt die 40-Jährige.

Eng und zugebaut war der Eingangsbereich vor der Sanierung.

So werden die Wände mit Stampflehm gedämmt, der Anteile von Blähglas enthält. Der Baustoff aus recyceltem Altglas dehnt sich aus und sorgt für eine optimale Wärmedämmung, ähnlich wie Federn einer Daunenjacke, erklärt Spillner. Der Fußboden werde mit Zellulose gedämmt. „Die Materialien können viel Feuchtigkeit aufnehmen und sorgen für ein trockenes Wohnklima“, berichtet Vieth. Auch der Garten soll nachhaltig gestaltet werden.

Fachwerk ist neu für sie

Das Paar weiß, wovon es spricht. Spillner ist Feinmechanikmeisterin. Sie ist die Frau für die Feinarbeit. Der 39-jährige Sebastian Vieth ist Konstruktionsmechaniker und Handwerksmeister, arbeitet in einem Konstruktionsbüro. Er kennt sich mit schweißen, bauen und planen aus. Mit Fachwerk hatten beide vorher nichts zu tun. „Anfangs hatten wir Respekt vor dem Projekt“, sagt Spillner. Inzwischen sei das Haus aber zu ihrem Schaffensraum geworden. „Wir wollen dieses Haus erhalten.“

Die Bielefelderin und der Berliner sind in diesem Jahr nach Relbehausen gekommen, um sich das zum Verkauf stehende Fachwerkhaus anzusehen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Bald in einem 65-Einwohner-Ort zu leben, deswegen hat das Paar keine Bedenken, das ist zu spüren. Seit ihrem Wegzug aus der Großstadt verkleinern sich die beiden kontinuierlich, zogen von Northeim und Wolfhagen in den Knüllwälder Ortsteil Berndshausen. Der Kulturschock bleibe also aus, sagt Vieth und lacht.

Mit der Sanierung des Fachwerkhauses sind Spillner und Vieth aber noch lange nicht am Ende ihrer Ideen. Sie können sich einen Streichelzoo auf ihrer Wiese vorstellen, in dem oberen Teil des Hauses könnte eine Ferienwohnung entstehen. „Wir wollen Leben nach Relbehausen bringen“, sagen sie. Das wird ihnen sicher gelingen. Vorstellungskraft besitzen die beiden. Das ist sicher.

Fachwerkhaus mit Geschichte

Das Fachwerkhaus von Anna Spillner und Sebastian Vieth stammt aus dem Jahr 1850. Das sei aber nur eine Schätzung, genau lasse sich das Baujahr nicht mehr nachvollziehen. Zu dem 300 Quadratmeter großen Haus gehören ein Hektar Land und eine Scheune. Laut Spillner war das Gebäude nicht immer nur Wohnhaus. Früher diente es für Messen der Kirche, es war Kneipe und Pension.

Quelle: HNA

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