Beleuchtet und überdacht

Relief im Licht: Seltene Darstellung am Hospital restauriert

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Beleuchtet und überdacht: Das ungewöhnliche Relief aus dem 15. Jahrhundert wurde restauriert und schmückt jetzt besonders abends die Stirnseite des Hospitalsgebäudes in Gudensberg.

Gudensberg. In den Abendstunden fällt es besonders auf, das Sandstein-Relief über dem Haupteingang des historischen Gudensberger Hospitals. Es ist jetzt beleuchtet und überdacht.

Der Verein der Gudensberger Heimatfreunde hatte die Kreuzigungsszene, die bis 1955 an der Seitenwand des Hospitalsgebäudes angebracht war, im vergangenen Jahr für 7800 Euro aufwendig restaurieren lassen. Die Denkmalschutzbehörde beteiligte sich mit 3500 Euro an den Kosten.

„Das Relief hat einige Besonderheiten, die so nur dreimal inDeutschland zu finden sind“, berichtete Dieter Giese vom Heimatverein im Gespräch mit der HNA. Giese hat sich besonders mit dem kunsthistorischen Hintergrund des Kunstwerks beschäftigt, das als einziges spätgotisches Bildwerk in Gudensberg den Bildersturm unter Landgraf Moritz im 16./17. Jahrhundert überlebt hat. Alle anderen bildlichen Darstellungen, etwa in der Stadtkirche, wurden zerstört.

Die fachmännischen Untersuchungen des Reliefs hatten ergeben, dass es aus einem einzigen, sehr harten Sandstein gearbeitet wurde und etwa 100 Jahre jünger ist als das Hospitalsgebäude, das vor 650 Jahren zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Über den Steinmetz, der es erschuf, ist nichts bekannt.

Das Relief zeigt die Kreuzigung Jesu auf dem Berg Golgatha und einige der immer wieder dabei dargestellten Figuren: Links unten die Mutter Gottes mit Johannes und Maria Magdalena, darüber der Soldat, der mit Hilfe eines Knechts mit dem Speer die linke Seite Jesu öffnet, um seinen Tod festzustellen. Rechts vorne die Männer werden durch ihre Bewaffnung als römische Soldaten gekennzeichnet, darunter Stephaton, der Jesus den Essigschwamm reicht.

Rätsel geben die Figur rechts oben aus dem Galgenberg, die nur in einen Kittel mit Windel gekleidet ist, und der Schild des Soldaten vorne, der wie eine Maske aussieht, auf.

Bei dem Kittelträger könnte es sich, meint Dieter Giese, um einen Siechen beziehungsweise kranken Mann handeln, als Hinweis auf das Hospital, in dem die Kranken untergebracht waren.

Unklar bleibt der Fachwelt bisher die Bedeutung des Maskenschildes, das in dieser plastischen, dreidimensionalen Ausprägung nur noch an zwei weiteren Werken in Deutschland registriert wurde: am Rimini-Altar im Liebig-Haus in Frankfurt und auf dem Kalvarienberg im Dommuseum Halberstadt.

Auch der Stab, an dem die Schriftrolle steckt, die üblicherweise die Inschrift „I.N.R.I“ trägt, fällt aus dem Rahmen: Sie hat die Form eines Stockes, der in der Mitte gespalten wurde.

Viele Details also, die das Relief auch zu einem einzigartigen Kunstwerk machen. Wie Heinrich Schmeißing von den Heimatfreunden mitteilte, hat der Verein für das Jubiläumsjahr des Hospitals eine bauhistorische Untersuchung in Auftrag gegeben. Die Kosten von 6000 Euro werden ebenfalls vom Verein getragen.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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