Kommunikation über Gebärdensprache

René Beilborn ist taub: So läuft sein Praktikum in einer Kunststofffirma

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Schüler René Beilborn an seinem Arbeitsplatz – einer Tamponiermaschine, die verschiedene Gegenstände bedrucken kann.

Homberg. Probleme mit der Kommunikation? „Die gab es nur zu Beginn“, sagt René Beilborn. Der 15-Jährige ist taub – und nutzt Gebärdensprache, die eine Dolmetscherin übersetzt.

„Nach einiger Zeit haben wir uns mit Zeichensprache problemlos verständigt.“ Der Schüler der Homberger Hermann-Schaft-Schule absolviert sogenannte Praxistage bei der Firma Hepla – und hat bislang vor allem positive Erfahrungen gewonnen.

„Die Arbeit ist sehr interessant, der Kunststoff-Betrieb gefällt mir gut“, sagt Beilborn. Neben Ein- und Auspackarbeiten bedruckt der Schüler an einer Tamponiermaschine verschiedene Gegenstände wie Feuerzeuge und kleine Dosen.

Zu Beginn besuchte Beilborn die Firma zwei Wochen am Stück. „Anschließend gab es eine Nachbereitung in der Schule“, sagt die Sozialpädagogin Bianca Rüter.

Bis zum Ende des Jahres sind die Schüler der Hermann-Schaft-Schule dann immer mittwochs in ihren Betrieben. „Für die Jugendlichen ist es eine gute Gelegenheit, ihre Stärken und Schwächen kennenzulernen“, sagt Rüter. Plötzlich finden sie sich in einem achtstündigen Betriebsalltag wieder und können einschätzen, welche Arbeit ihnen liegt.

Auch für die Unternehmen bieten die Praxistage der Schule mit den Förderschwerpunkten Hören und Sehen neue Chancen. „Die Schüler sind immer hoch motiviert und besonders René ist sehr wissbegierig und besitzt ein unglaublich gutes Auffassungsvermögen“, sagt die Geschäftsführerin von Hepla, Diana Meier. „Auch haben unsere Mitarbeiter ihn gut integriert. Viele haben Vorurteile ad acta gelegt.“

Die wenigen Herausforderungen, die aufgrund Renés Beeinträchtigung auftraten, wurden schnell gelöst. So hat Hepla mit dem Schüler die Laufwege durch das Unternehmen im Vorfeld vereinbart: Ohne Begleitung darf er nur durch die Büroräume gehen. Im Lager darf er das nicht, da er beispielsweise Gabelstapler nicht hört.

Auf die Idee, die Praxistage bei der Kunststofffirma Hepla zu absolvieren, kam René durch einen Mitschüler, der dort sein Vorgänger war.

René gefällt die Arbeit, aber „ich weiß noch nicht, was ich später einmal genau machen werde.“ Beilborn kann nach seiner Schullaufbahn bei den Berufsbildungswerken für Hörgeschädigte einen normalen Abschluss mit einem verminderten Theorieteil ablegen. Anschließend kann er ganz regulär in Betrieben arbeiten.

Die Hermann-Schaft-Schule sucht indes weitere Betriebe, die während der Praxistage einen Schüler mit Beeinträchtigung aufnehmen. „Wir wollen unseren Jugendlichen eine möglichst große Bandbreite an Berufsfeldern geben“, sagt Bianca Rüter.

Kontakt via E-Mail an: info@hss-homberg.de

Quelle: HNA

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