Nach 333 Lebensjahren veröffentlichen Musiker ihr Debüt

Brian Scotty Wilson Band: Die Rentner rocken

Zwischen Pop, Blues und Jazz: Gerd Hallaschka (von links), Harald Wehnhardt, Brian Scotty Wilson, Hansi Rödig und Ernst Iben. Foto: nh

Niedenstein/Kassel. Es ist ein Glücksfall, dass sich Brian Wilson vor sechs Jahren gegen Glasgow und San Francisco entschied und stattdessen nach Niedenstein zog. 40 Jahre hatte der Schotte in der Schweiz als Profi-Schlagzeuger gearbeitet.

Der Ex-Trommler der englischen Band The Sonics hätte seinen Lebensabend überall verbringen können, aber er kehrte nach Nordhessen zurück, wo er sich schon in den 60ern als Mitglied der legendären Band Die Kettels einen Namen gemacht hatte.

Hier traf der heute 71-Jährige, der sich seit jeher Scotty nennt, um nicht mit dem Beach Boy Brian Wilson verwechselt zu werden, auf alte Bekannte und gründete mit ihnen die Brian Scotty Wilson Band. Mit Keyboarder Gerd Hallaschka (69), Bassist Ernst Iben (67), Saxofonist Hansi Rödig (69) und Gitarrist Harald Wehnhardt (57) könnte es Wilson in das Guinness-Buch der Rekorde schaffen. 333 Lebensjahre zählt das Kasseler Quintett, das nun sein erstes Album „Out Of Space“ veröffentlicht. Ältere Debütanten dürften so leicht nicht zu finden sein.

Bislang spielten die Rentner lediglich Songs von anderen nach. „Aber wir wollten nicht nur covern, sondern eigene Akzente setzen“, sagt Hallaschka, einst Leiter der Kasseler Joseph-von-Eichendorff-Schule. So nahm Hauptsongschreiber Wehnhardt mit seinen Kollegen im Uvasonar-Tonstudio von Roman Beilharz in Obervorschütz zehn Lieder auf, die elegant die Stile verbinden, in denen die Musiker zu Hause sind: Pop, Rock, Jazz, Blues und Swing.

Man hört, dass die Musiker nordhessische Rockgeschichte geschrieben haben. Rödig und Wehnhardt wirkten als Musiker bei Theaterproduktionen in Kassel und Göttingen mit. Und Iben hat es als Liedermacher und mit einer Performance in seiner selbst gebauten größten Trommel der Welt tatsächlich einmal ins Guinness-Buch geschafft. Zu der professionell aufgenommenen Musik kommen selbstironische Texte auf Englisch, Deutsch und sogar Moldawisch. „Ich hatte mal Geld, war sogar Millionär. Das Geld zu verprassen, fiel mir nicht schwer“, singt Wilson in „Keiner kennt dich“.

Reich werden die rüstigen Rentner mit ihrem Spätwerk nicht mehr. Aber sie haben in der „Selbsthilfegruppe“, wie sie ihre Band augenzwinkernd nennen, etwas Größeres gefunden: Glück. „Das ist eine wunderbare Sache für ältere Herren wie uns“, sagt Rödig: „Wir haben Spaß und gehen unseren Frauen nicht auf den Keks.“

CD-Release: Montag, 20 Uhr, Theaterstübchen, Jordanstraße 11. Weiteres Konzert: 20. Dezember, 20 Uhr, Bürgerhaus Lohfelden. „Out Of Space“ gibt es im Handel und unter: www.brian-wilson-band.de

Von Matthias Lohr

Quelle: HNA

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