Reportage: Essen für jeden Einzelnen bei der Schwälmer Tafel

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Engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich bei der Schwälmer Tafel: von links Ingela Rheinwald, Marianne Beyer, Schülerpraktikant Thilo Wüst, Elisabeth Orth und Erika Unger.

Schwalmstadt. Die Schwälmer Tafel in Ziegenhain sammelt Lebensmittelspenden und gibt sie an bedürftige Menschen weiter. Wir haben die Mitarbeiter begleitet.

Ein Duft von Brot und Brötchen zieht durch den Raum. Obst und Gemüse sind schon in Kisten sortiert und auch die Kühlschränke sind mit Ware gefüllt. Weihnachtsmänner aus Schokolade liegen aus.

Die Mitarbeiterinnen der Schwälmer Tafel sind wieder im Einsatz. Sie bereiten den Laden in Ziegenhain für ihre Kunden vor. Die Lebensmittel, die der Fahrdienst zuvor bei 22 Märkten eingesammelt hat, haben die Ehrenamtlichen bereits überprüft und in Kisten vorsortiert. Die Kunden können also kommen.

Für zwei Euro pro Erwachsener können Menschen mit einem geringen Einkommen bei der Tafel Essen kaufen. Die Produkte sind qualitativ einwandfrei. Sie werden von Supermärkten, Fleischereien und Bäckereien aussortiert, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht oder die Verpackung beschädigt ist. „Das Brot und Gebäck stammt vom Vortag und ist natürlich noch genießbar“, weiß die Ehrenamtliche Erika Unger. Der Anspruch an die Produkte ist für jeden Mitarbeiter gleich: Lebensmittel, die sie selbst nicht mehr mitnehmen würden, werden konsequent aussortiert.

Die Kunden können sich aus dem vielseitigen Angebot ihre Nahrungsmittel frei auswählen. Am Ende sind die mitgebrachten Tüten meist voll gepackt. „Eine Familie erhält natürlich mehr Lebensmittel als eine Einzelperson. Ein Anrecht auf bestimmte Produkte gibt es nicht“, erklärt Erika Unger. Manchmal sind auch Sachspenden der Supermärkten mit dabei. Kalender, Schlafanzüge oder Kopfhörer sind dann die kleinen Extras bei der Ausgabe.

Finanziert wird die Schwälmer Tafel über die Beiträge der Kunden. Die Miete für den Laden, Nebenkosten und Verbrauchsartikel können darüber zum Teil bezahlt werden. Spenden, auf die die Tafel grundsätzlich angewiesen ist, decken die weiteren Kosten ab. Mit Spendengeldern konnte so auch das Tafelauto gekauft werden. Besonders wichtig sind für den Laden die ehrenamtlichen Mitarbeiter. 45 Menschen engagieren sich derzeit für das Projekt. „Jede Unterstützung zählt. Die Freude an dieser Arbeit und auch der Umgang mit den Kunden sind dabei unumgänglich“, erzählt die langjährige Mitarbeiterin Ingela Rheinwald.

Die Kunden kommen immer zu vereinbarten Terminen. An einem Ausgabetag rechnen die Mitarbeiter mit etwa 100 Personen, die auf die Tafel angewiesen sind.

Viele Gesichter bei der Tafel

Meist sind es ganz unterschiedliche Menschen, die zur Lebensmittelausgabe kommen. Ob Renter, Alleinerziehende oder ganze Familien – Armut hat viele Gesichter. Viele sind schon seit mehreren Jahren Stammkunden und sind froh, dass es dieses Angebot gibt. So auch Ute König aus Treysa. Man kennt sie inzwischen gut bei der Schwälmer Tafel. Seit sieben Jahren kauft die 59-Jährige dort ein und sagt über sich selbst: „Ich bin bei den Ehrenamtlichen bekannt wie ein bunter Hund.“ 

Dass die bedürftigen Menschen für die Mitarbeiter mehr als nur Kunden sind, wird schnell deutlich. Sie kennen ihre Namen und ihre Geschichten. Sie wissen ganz genau, wer unter Diabetes leidet und daher bestimmte Produkte nicht mitnehmen kann. „Wir sind immer für Gespräche offen und kümmern uns auch um unsere Kunden“, erklären Erika Unger und Ingela Rheinwald. Die Frauen kennen jeden Einzelnen. 

Auch Flüchtlinge mit einer eigenen Wohnung können zur Schwälmer Tafel kommen. Intesa Souidan ist eine von ihnen. Sie kam vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland. Nachdem die 50-Jährige in einem Flüchtlingsheim untergebracht war, lebt sie nun in einer eigenen Wohnung. Auf mögliche Verständigungsschwierigkeiten ist die Tafel immer vorbereitet. Sie haben Karten mit Bildern erstellt, die schnell und einfach zeigen, wie das Konzept der Lebensmittelausgabe funktioniert. Schriftliche Informationen gibt es sogar in mehreren Sprachen, darunter Farsi und Arabisch. „Wir verständigen uns ansonsten einfach mit Händen und Füßen, das klappt meistens gut“, erzählt die Ehrenamtliche Erika Unger. Am Ende einer Ausgabe verlassen die Kunden den Laden in guter Stimmung: „Schlechte Laune gibt es selten“, fügen die Mitarbeiter noch hinzu. Das liegt sicherlich an den gekauften Produkten. Doch auch die vielen Ehrenamtlichen tragen mit ihrem offenen Ohr sichtlich dazu bei.

Quelle: HNA

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