Notarztfahrzeuge sind mit jeweils 3400 Einsätzen im Jahr am Limit

Retter fahren häufiger

Flaggschiff: Mit dem neuen Rettungswagen sind beim Wolfhager DRK jetzt drei Einsatzfahrzeuge stationiert. Marcus Pufahl, Felix Draude und Stephan Möller (von links) gehören zur Besatzung. Foto: Ricken

Wolfhagen. Die Menschen werden immer älter und die medizinische Versorgung besser. Den Rettungsdiensten beschert das in Stadt und Landkreis Kassel mehr Arbeit. Um etwa ein Drittel hat die Zahl der Einsätze seit 2005 zugenommen. Als einen Grund dafür sehen Vizelandrätin Susanne Selbert und Kassels Bürgermeister Jürgen Kaiser den demografischen Wandel.

Allein die vier Notarzteinsatzfahrzeuge in Stadt und Kreis seien mit jeweils etwa 3400 Einsätzen im Jahr an der Grenze des Möglichen. Deswegen solle zu den bisherigen Standorten in Kassel am Klinikum und am Elisabeth-Krankenhaus sowie in Hofgeismar und Wolfhagen ein weiterer hinzukommen. In Frage kämen die Feuerwache 2 an der Heinrich-Schütz-Allee oder das Rot-Kreuz-Krankenhaus, sagte Kaiser.

Die Entscheidung über den genauen Standort im Kasseler Westen hänge allerdings auch am Betreiber. Künftig sollen die Kliniken direkt damit beauftragt werden, das ärztliche Personal für die Notarzteinsatzfahrzeuge zu stellen. Bisher war die Stadt mit so genannten Personalgestellungsverträgen dazwischen geschaltet. Die neue Regelung vereinfache die Abläufe und sei nur ein verwaltungstechnischer Vorgang, sagte Kaiser. Kliniken sollen künftig einfach direkt mit den Krankenkassen abrechnen.

„Es ist unsere Aufgabe, für adäquates Personal zu sorgen.“

susanne Selbert Vitelandrätin

Unter den Ärzten regen sich jedoch auch kritische Stimmen. Stadt und Kreis würden sich damit aus der öffentlichen Daseinsfürsorge zurückziehen. Es bestehe die Gefahr, dass bei einem Mangel Personal eingesetzt werde, das mit örtlichen Gegebenheiten und der Ausstattung von Kliniken womöglich nicht ausreichend vertraut sei.

Gerade in ländlichen Regionen haben Rettungsdienstträger teils erhebliche Probleme Personal zu organisieren. Deutlich wird das unter anderem am Erfolg von Internetportalen wie www.notarztboerse.de, die bei der Vermittlung helfen. Der weiter um sich greifende Ärztemangel dürfte diese Probleme verschärfen.

Selbert und Kaiser wiesen die Kritik zurück. Selbstverständlich seien beauftragte Kliniken an Qualitätskriterien gebunden. So müsse die Qualifikation von Ärzten für den Einsatz im Rettungsdienst sichergestellt werden, was auch überprüft werde. „Es ist unsere Aufgabe, für adäquates Personal zu sorgen“, sagte Selbert.

Gleichwohl ist im Landkreis ärztliches Personal zum Einsatz gekommen, das über die Notarztbörse vermittelt wurde, sagte Hans-Martin Merkwirth, Abteilungsleiter Rettungsdienst bei der Berufsfeuerwehr Kassel. Wohl auch, weil Zweifel an den Qualifikationen auftauchten, sei das aber schnell beendet worden.

Ebenso wie beim Notarztsystem stehen auch die Standorte für die zusätzlichen Rettungswachen noch nicht fest. Klarheit werde das Auswahlverfahren durch Vorschläge der Bewerber bringen, sagte Kaiser.

Von Claas Michaelis

Quelle: HNA

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