Wachen zu besetzen, wird zukünftig schwieriger

Rettungsdienste im Schwalm-Eder-Kreis suchen dringend Personal

Schwalm-Eder. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat gerade noch genug Personal, um die Rettungswachen im Landkreis zu besetzen.

Durch gestiegene Einsatzzahlen und die Ausbildungsreform kommen die Rettungsdienste aber bald an ihre Grenzen.

„Die Einsatzzahlen schießen durch die Decke“, sagt Ulrich Schneider, Geschäftsführer der Rettungsdienste gGmbH Schwalm-Eder. Im vergangenen Jahr waren es rund 32.000 Einsätze im Landkreis. Mit insgesamt elf Wachen und 170 Mitarbeitern ist das Rote Kreuz noch ganz gut aufgestellt. „Allerdings steigt jedes Jahr die Anzahl der Einsätze um fünf Prozent“, sagt Schneider.

Mehrere Faktoren kommen zusammen. Die Menschen werden älter, die ländliche Region mit ihren weiten Wegen und die Umstellung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. „Nachts und am Wochenende nimmt die Zahl der Einsätze enorm zu“, sagt Manfred Lau, Kreisgeschäftsführer des DRK.

Erschwerend kommen hinzu der Personalmangel und der sprunghafte Anstieg von falschem Alarm. „Der Rettungsdienst wird immer häufiger zu Notfällen gerufen, die medizinisch nicht als akut einzuschätzen sind“, sagt Schneider. Nur jeder dritte Fall sei wirklich akut. Mancher, der 112 wählt, tue dies aus Unkenntnis oder aus der Not heraus, weil die eigentlich zuständigen Strukturen wie der ärztliche Notfalldienst nicht erreichbar sind. Aber grundsätzlich fällt es immer schwerer, qualifizierte Notärzte zu gewinnen“, meint Lau.

Denn seit 2014 werden keine Rettungsassistenten mehr ausgebildet. Die zweijährige Ausbildung wurde durch den Notfallsanitäter ersetzt und dauert nun drei Jahre. Das bringt Vorteile, aber auch einen großen Nachteil: Rettungsassistenten müssen Teile der Ausbildung nachholen – und fehlen dann auf den Wachen.

Anders sieht es beim Malteser Rettungsdienst aus. Dieser hat keine Personalsorgen. 80 Prozent der Rettungsassistenten wurden schon zu Notfallsanitätern weitergebildet. Vor 10 Jahren hatten die Malteser die Ausbildung des Rettungsassistenten auf eine dreijährige Vollzeitausbildung umgestellt. Auch die Abschaffung des Zivildienstes hat zu keiner merkenswerten Veränderung geführt, erklärt eine Sprecherin. 

Hintergrund: Gesetz regelt neue Ausbildung

Die Gesetzesänderung zur dreijährigen Ausbildung des Notfallsanitäters ersetzt seit 2014 die frühere zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten. Bis Ende 2020 müssen Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern umgeschult werden. 

Wer länger als fünf Jahre im Beruf ist, kann nach zwei Wochen Vorbereitungskurs die Prüfung machen. Rettungsassistenten mit drei bis fünf Jahren Erfahrung müssen eine Zusatzausbildung von 480 Stunden machen. Wer bis zu drei Jahre Rettungsassistent ist, braucht 960 Stunden. 

Währenddessen stehen die Mitarbeiter nicht für Einsätze zur Verfügung. Und es mangelt an Ersatzpersonal.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/ dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare