Angeklagter ging zu verschiedenen Apotheken

Reue nach Rezeptbetrug in Fritzlar: 38-Jähriger ergaunerte 181.000 Euro

Fritzlar. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 35 Fällen musste sich ein 38 Jahre alter Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Amtsgericht verantworten. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Außerdem muss der Mann 120 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Da Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

Der 38-Jährige war angeklagt, weil er von August 2011 bis Januar 2016 bei seiner privaten Krankenversicherung in 35 Fällen jeweils ein Privatrezept über ein mehr als 5000 Euro teures Medikament eingereicht hatte, obwohl er dies tatsächlich nicht erworben hatte.

Um laut Staatsanwaltschaft eine entsprechende Täuschung bei seiner Krankenversicherung hervorrufen zu können, hatte sich der Angeklagte verschiedener Apotheken in der Region bedient. Dort legte er ein Rezept zunächst vor, zahlte bar, gab das Medikament aber unter einem Vorwand wieder zurück oder holte es erst gar nicht mehr ab, um über die entsprechenden Belege zu verfügen. Dadurch entstand der privaten Krankenversicherung ein Schaden von mehr als 181.000 Euro.

150.000 Euro zurückgezahlt 

Davon hat der Angeklagte nach Angaben seines Verteidigers, Dieter Keseberg, 150.000 Euro zurückgezahlt. Auf den Rest habe die Versicherung verzichtet.

„Ich würde Himmel und Hölle bewegen, wenn ich alles rückgängig machen könnte”, sagte der voll geständige Angeklagte. Er leide seit 2004 an einer erblichen Krankheit. Der selbstständige Programmierer ist verheiratet, Vater einer eineinhalbjährigen Tochter, betreibt mit einem Partner eine Web-Designer-Agentur und lebt im Eigenheim bei den Schwiegereltern.

Er könne nicht sagen, warum er das alles gemacht habe. „Ich war nicht mehr zu bremsen”, sagte er zu den Straftaten. Er habe gewusst, dass er mit dem Feuer spiele und sei fast zusammengebrochen, als die Polizei erschien. Aufgeflogen war der Betrug, weil ein Apotheker skeptisch geworden war.

„Ich habe über meine Verhältnisse gelebt”, sagte der Mann. Er habe mit zwei Rädern Motorsport betrieben, Werkzeug gekauft, Urlaube und das Haus finanziert. Er sei aber nicht spielsüchtig und er könne nicht plausibel sagen, wo all das Geld unter dem Strich geblieben sei. Die Schwiegereltern hätten ihn finanziell unterstützt.

Die gesamte Familie habe extreme Existenzangst. „Dass es Unrecht war, war mit klar”, sagte er zu den Straftaten. Die psychische Belastung müsse nun zu Ende gehen. Seine Frau habe er nicht über den Gerichtstermin informiert, um sie nicht zusätzlich zu belasten. „Sie hätte Ihnen doch heute beistehen können - in guten wie in schlechten Tagen”, sagte Richterin Corinna Eichler. Der Angeklagte: „Mich belastet das immens.”

Das Schöffengericht folgte mit dem Urteil den Anträgen der Staatsanwältin, die allerdings 200 Arbeitsstunden gefordert hatte, und der Verteidigung.

Die Staatsanwältin sprach von einem von Reue geprägten Geständnis. Strafmildernd gewertet werden müsse, dass der Schaden „zum überwiegenden Teil wieder gutgemacht” worden sei.

Es sei dem Angeklagten hoch anzurechnen, dass er gesagt habe, er brauche einen Schlussstrich und mache den Schaden wieder gut, erklärte sein Verteidiger. Sein Mandant habe offen und ehrlich über seine psychischen Belastungen gesprochen.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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