Treysaer Kino Burg-Theater rüstet auf digitale Filmtechnik um

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Gigant im Vorführraum: Peter Unger will im Sommer einen der beiden Projektoren, Baujahr 1954, ausmustern. Im Juli, spätestens August soll dann digitale Technik installiert werden.

Treysa. In Sachen Kinokultur ist das Treysaer Burg-Theater ein Fels in der Brandung. Zwischen den Kino-Hochburgen Marburg und Kassel, in Nachbarschaft zum Fritzlarer Cine-Royal, muss sich das Lichtspieltheater mit einem einzigen Saal starker Konkurrenz erwehren.

Doch Peter Unger, Chef des Treysaer Kinos, glaubt an die Zukunft seines Hauses. Und damit sein Cinema überlebt, wird im Spätsommer die Projektionstechnik auf digital umgerüstet.

Mehr als 55 Jahre haben die beiden wuchtigen Projektoren der Marke Frieseke und Höpfner zuverlässig ihren Dienst im Vorführraum des Kinos geleistet. In dieser Zeit haben sie unzählige Kilometer von 35-mm-Filmen transportiert und durch die hochwertige Optik an die Leinwand des Saals geworfen.

Die Technik in den beiden Metallriesen hat Unger immer wieder auf den neuesten Stand gebracht. Nun aber soll im Juli, spätestens August einer der beiden Projektoren digitaler Technik weichen. „Der andere bleibt stehen für nostalgische Vorführungen“, sagt der 49-Jährige.

Die Filme werden künftig dann nicht mehr auf dicken Filmrollen geliefert, sondern auf Festplatte.

Kopie wird freigeschaltet

Der Filmverleih schaltet die Kopie frei für die Zeit, in der ein Kino den Streifen zeigt. Dafür braucht es unter anderem einen Projektionsbeamer und prozessorgesteuerte Tontechnik. Ob auch gleich ein Computer eingebaut wird, der in der Zukunft den Empfang der Filmdaten über das Internet per Satellit möglich macht, das prüft der Kinobesitzer noch.

Die Hälfte aller Kinos in Deutschland hat bereits auf digitale Technik umgerüstet, schätzt Unger. Es geht nicht nur um bessere Ton- und Bildqualität, auch die Filmindustrie macht Druck: Die Belieferung kleiner Häuser mit herkömmlichen Filmkopien durch die Verleihfirmen wird immer schwieriger.

Zuschuss vom Land

Rund 60 000 Euro kostet der Aufbruch in die digitale Welt, rechnet Peter Unger. Er hofft dabei auf einen Zuschuss von 40 000 Euro aus verschiedenen Fördertöpfen. Das Land Hessen etwa hat ein Förderprogramm für die Digitalisierung kleiner Lichtspielhäuser aufgelegt.

Die neue Technik macht dann auch 3D-Filmvorführungen möglich. Möglicherweise schafft Unger dafür noch eine silberbeschichtete Leinwand an. Gereinigt wird die 32 Quadratmeter große Leinwand zum Technikstart auf jeden Fall.

Aber auch wenn die digitale Projektion ein helleres und schärferes Bild verspricht, das manche Effekte besser in Szene setzt: „Wir haben auch jetzt ein astreines Bild“, sagt Unger. Das sei eine Frage einer ausgewogen justierten Optik. In dieser Hinsicht also ist das alte Filmband noch lange nicht von gestern.

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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