Richard Fette kämpft für das Bleiberecht seiner Frau

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Liebe fast auf den ersten Blick: Schon bald nach dem Kennenlernen beschlossen Vararat Thundee und Richard Fette zu heiraten. Nun soll die Thailänderin spätestens am 20. Mai ausreisen, um von Thailand aus einen Antrag auf Ehegattennachzug zu stellen.

Gensungen. So hatte sich Richard Fette den Beginn seiner Ehe mit der Thailänderin Vararat Thundee nicht vorgestellt. Statt im siebten Himmel zu schweben, kämpft er um das Dauerbleiberecht seiner frisch angetrauten Ehefrau.

Der Stolperstein: Sie war mit einem Touristenvisum eingereist und soll deshalb trotz Eheschließung ausreisen, um von Thailand aus bei der deutschen Botschaft in Bangkok einen Antrag auf Ehegattennachzug zu stellen.

So will es die Ausländerbehörde bei der Kreisverwaltung. Die Ausreisefrist läuft am 20. Mai ab.

Die Vorgeschichte: Richard Fette (51) entdeckte Vararat (48) im Internet. Das war im Frühjahr 2011. Ihre seit zehn Jahren in Deutschland lebende Nichte, die Tochter ihrer ebenfalls hier lebenden Schwester, übernahm den schriftlichen Kontakt.

Als Vararat bei ihnen zu Besuch war, war se auch einige Tage in Gensungen. Um sich besser kennen zu lernen, lud Richard Fette die Thailänderin ein zweites Mal zu sich ein. Das war im August, sie kam mit einem Touristenvisum und blieb.

Weil in Thailand oft persönliche Papiere verschwinden, hatte Vararat Thundee, die nach der Scheidung wieder ihren Mädchennamen angenommen hatte, alle bereits ins Deutsche übersetzten Unterlagen sicherheitshalber mitgenommen.

„Wir wollten uns aber erst einmal richtig kennen lernen“, sagt Fette. Offensichtlich fanden sich beide mehr als nur sympathisch und beschlossen zu heiraten. Beabsichtigt sei das ursprünglich nicht gewesen, beteuert der Gensunger, sonst hätte sich Vararat Thundee nicht ein Touristenvisum ausstellen lassen.

Hochzeit in Dänemark

„Auf der Felsberger Stadtverwaltung hat man mir gesagt, das ginge nicht“, erinnert sich der 51-Jährige. Was, wie sich herausstellte, so nicht stimmt. Und so brachte eine der beiden in Deutschland lebenden Schwestern der Thailänderin sie auf die Idee, in Dänemark zu heiraten. Dort wurde am 12. Januar die Trauung vollzogen.

Deutschunterricht bei VHS

Seitdem nimmt sie am VHS-Deutschunterricht teil. Viermal ro Woche fährt Richard Fette seine Frau nach Homberg und übernimmt die Kurskosten komplett. Abends werden Hausaufgaben gemacht, und Fette übt mit ihr: Deutsch, lesen und schreiben. Mit den Erfolgen ist er durchaus zufrieden. „Sie lernt jeden Tag dazu, ist über mich krankenversichert, hat eine Steuernummer und liegt dem Steuerzahler nicht auf der Tasche“, sagt er, und bei den Deutschtests im Internet habe sie sehr gut abgeschnitten. Bei der Ausländerbehörde im Homberg versagte jedoch ihr Wortschatz. Ein Minuspunkt.

Was folgte, ist die Ausreiseverfügung. Inzwischen wurde diese mehrfach aufgeschoben, weil Fettes Anwältin einen Eilantrag gestellt und eine Klage auf Aufhebung des Bescheides beim Kasseler Verwaltungsgericht eingereicht hat.

Das sagt die Kreisverwaltung

Der Umweg über Dänemark, um dort zu heiraten, berechtigt den Ausländer mit Touristenvisum nicht zum Daueraufenthalt in Deutschland, sagt Michael Schneider, Büroleiter der Kreisverwaltung in Homberg.

Richard Fette und Vararat Thundee hätten durchaus in Deutschland heiraten können. Dazu hätte es der kompletten für die Hochzeit erforderlichen Unterlagen bedurft, des Sprachzertifikats über ausreichende Deutschkenntnisse und einer Bescheinigung des Oberlandesgerichts Frankfurt.

Nun aber müsse die Thailänderin erst wieder in ihr Heimatland reisen, dort das Sprachzertifikat erwerben und könne dann per Ehegattennachzug wieder einreisen. „Das ist nur im Heimatland möglich“, betont der Büroleiter.Er sagt auch: „Das ist kein Einzelfall, das passiert häufiger.“

Das sagt die Anwältin

Christine Bödicker, Rechtsanwältin in Kassel, hat beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag gestellt und Klage gegen das Land Hessen, vertreten durch den Schwalm-Eder-Kreis (Ausländerbehörde), eingereicht. Die Klage zielt darauf ab, dass bei der Beantragung des Touristenvisums noch nicht abzusehen war, dass es kurzfristig zu einer Eheschließung kommen würde. Die Thailänderin habe seinerzeit nicht geplant, innerhalb der Dreimonatsfrist des Touristenvisums zu heiraten und dann dauerhaft in Deutschland zu bleiben.

Nach Rücksprache mit dem Richter sieht Bödicker allerdings wenig Chancen auf Erfolg. Dieser habe gesagt, dass er sich wohl der Ansicht der Ausländerbehörde anschließen werde. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Sollte es so kommen, werde sie die Klage zurückziehen, sagte die Anwältin. (bmn)

Quelle: HNA

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