40-Jähriger nach jahrelangem Alkohol-Missbrauch trocken – Haftstrafe gekippt

Richter glaubt an Abstinenz

Marburg/Schwalm. Eine Gefängnisstrafe von acht Monaten hatte das Amtsgericht Schwalmstadt im August 2010 gegen einen 40-jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain verhängt. Gstern wurde sie in einer Berufungsverhandlung vom Marburger Landgericht in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Die Bewährungsdauer legte Richter Wolf Winter auf vier Jahre fest.

Der arbeitslose Angeklagte war seit 1992 immer wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten. Bei fast allen Delikten, für die er verurteilt wurde, war Alkohol im Spiel. Auch im März vergangenen Jahres war er alkoholisiert mit einem Moped unterwegs gewesen und dabei einer Polizeistreife aufgefallen. Die angeordnete Blutprobe ergab damals einen Wert von über 2 Promille.

Darüber hinaus konnte der Mann keinen Führerschein vorweisen. Außerdem: Als er bei der Alkoholfahrt erwischt wurde, befand er sich gerade in einer Bewährungsphase. Auch aufgrund seiner vielen Vorbelastungen verurteilte ihn das Amtsgericht Treysa zu der Gefängnisstrafe.

Zwischenzeitlich hat der 40-jährige nach eigenen Angaben dem Alkohol abgeschworen. Eine auf drei Monate befristete stationäre Entzugstherapie beim Blauen Kreuz in Kassel wurde auf seinen eigenen Wunsch hin auf vier Monate verlängert. Eine ambulante Alkoholentzugstherapie, für die er nach eigenen Angaben täglich nach Kassel fährt, hat sich daran angeschlossen. Die entsprechenden Nachweise legte der Mann dem Gericht vor. Darüber hinaus gab er an, seinen Wohnsitz wechseln zu wollen, um aus dem ehemaligen Bekanntenmilieu herauszukommen.

Außerdem wird er auch jetzt schon regelmäßig von seinem Bewährungshelfer überwacht. Dieser hatte dem Mann ebenfalls eine wesentliche Änderung gegenüber seinem vorherigen Verhalten attestiert.

„Man kann auch optisch feststellen, dass Sie keinen Alkohol mehr trinken.“

Der Richter

Der Staatsanwalt sprach sich in seinem Plädoyer trotzdem gegen eine Bewährungsstrafe aus, weil sich aus den vorgelegten Unterlagen seiner Meinung nach ein Erfolg der Therapie nicht herauslesen lasse.

Richter Winter bescheinigte dem Mann in seiner Urteilsbegründung allerdings eine günstige Prognose. „Ihre Bemühungen sind deutlich erkennbar, Sie sehen jetzt gut aus und man kann auch optisch feststellen, dass Sie keinen Alkohol mehr trinken“, begründete er sein Urteil.

Auf Anordnung des Gerichts muss der Verurteilte auch weiterhin an einer ambulanten Alkoholtherapie teilnehmen. Gegen die vom Amtsgericht Schwalmstadt verfügte Führerscheinsperre von zwei Jahren und sechs Monaten hatte er keine Berufung eingelegt. Sie bleibt deshalb bestehen. Der Mann nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an. Die Staatsanwaltschaft behielt sich weitere rechtliche Schritte vor.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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