In Fritzlar

Richter Schwaderlapp ist neuer stellvertretende Direktor des Amtsgerichts

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Kritisch bleiben: Daran hält sich Klaus Schwaderlapp als Richter. Bereits seit seinem 26. Geburtstag ist er Richter und jetzt stellvertretender Direktor des Amtsgerichts in Fritzlar.

Fritzlar. Eigentlich wollte er Anwalt werden - so einer wie der schnoddrige Anwalt Robert Liebling aus der Fernsehserie Liebling Kreuzberg aus den 80er-Jahren. Das ist lange her und der Plan ist nicht ganz aufgegangen.

Und das lag nicht daran, dass Klaus Schwaderlapp keinen Schlapphut trägt und auch nicht daran, dass seine Anzüge gut sitzen - anders also, als beim Serien-Anwalt, den Manfred Krug mimte. "Ich wollte mich nicht nur auf eine Seite stellen und ein Parteivertreter sein", sagt Klaus Schwaderlapp. So entschied er sich nach dem Jurastudium für die Laufbahn als Richter. Jetzt ist der 39-Jährige der neue stellvertretende Direktor des Fritzlarer Amtsgerichts.

Er freue sich auf die neue Aufgabe, sagt Schwaderlapp, der zuletzt am Marburger Landgericht arbeitete. "Man ist noch einen Tick näher am Puls des Lebens", fügt er an und lacht gleich darauf über diesen Satz. "Das klingt hoffentlich nicht zu schwülstig." Doch so sei es eben - die Aufgaben im Amtsgericht seien vielfältig. "Von Zivilsachen über Verkehrsunfälle, Nachbarschaftsstreit, Miet- und Betrugssachen bis hin zu Betreuungsangelegenheiten", erklärt er. Richter seien längst nicht nur Schreibtischtäter, sagt er. "Ich bin auch im Außendienst." Etwa, wenn es um Betreuung geht. Und mindestens einmal pro Woche habe er einen Sitzungstag für Zivilverhandlungen. Das Besondere an seinem Beruf sei, dass er stets dazu lerne. Denn er bekomme viel Wissen aus den unterschiedlichen Bereichen vermittelt. Bei den Verhandlungen gehe es bei Unfällen zum Beispiel auch um technische Dinge, es gehe aber auch um Psychologie und soziale Aspekte. "Ich lerne immer noch was dazu." Der Schwalm-Eder-Kreis ist dem Mann aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf nicht fremd. "Als Referendar war ich auch in Treysa", sagt er. Von der Stadt Fritzlar, seinem neuen Arbeitsort, sei er begeistert.

Angetan haben es ihm auch die historischen Gesetzgeber des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Grundgesetzes. "Es ist schon beachtlich, was da geleistet wurde. Davor habe ich großen Respekt." Heute stifteten neue Gesetze manchmal etwas Verwirrung, fügt er an. Grundsätzlich gelte aber: "Gesetze sind das Produkt der demokratischen Willensbildung." Viele Verfahren hat Schwaderlapp bereits geleitet, darunter intensive Fälle, sagt er. An einen besonders spektakulären Prozess könne er sich aber nicht mehr erinnern. "Ich vergesse vieles wieder", sagt er. Eine Art Selbstschutz. "Dann belastet es nicht." Nichts Menschliches dürfe einem fremd sein, sagt er noch. Und auch, dass man als Richter stets kritisch bleibe müsse und sich nicht über das Gesetz stellen dürfe.

Während seiner Zeit am Oberlandesgericht in Frankfurt habe er an Entscheidungen mitgewirkt, die Auswirkungen auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts habe. "Es ging um die Fortdauer der Sicherheitsverwahrung", erklärt er knapp.

Anwalt Kreuzberg gibt es längst nicht mehr im Fernsehen zu sehen und von den aktuellen Gerichtssendungen hält Klaus Schwaderlapp nicht viel. "Vor Gericht geht es gesitteter zu", sagt er und lacht ein wenig verschmitzt - fast so wie Liebling Kreuzberg. Aber nur fast.

Quelle: HNA

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