Junge Ideen gegen das Altern: Burkhard Struwe, Pionier der Gerontopsychologie, tritt ab

Die Rock’n’Rollator-Kur

Verordnete der Gerontopsychiatrie eine Gehhilfe: Dr. Burkhard Struwe schob die Betreuung dementer und depressiver alter Menschen an. Er selbst fährt nicht mit dem Rollator, sondern mit dem Fahrrad zur Klinik. Foto: Schleichert

Merxhausen. Revolution geht anders. Dr. Burkhard Struwe winkt ab. Er hat der Gerontopsychologie kein Bein gestellt, sondern ihr eine Gehhilfe verordnet. „Die Entwicklung hinkte hinter dem Ausland her“, sagt Struwe, der ein neues Rezept gegen das Altern aus der Welt in deutsche Heime trug: Gesellschaft anderer Menschen.

Die Medizin, die jung hält, hat der 62-jährige sich nun selbst verschrieben: Mehr Gesellschaft, weniger Arbeit. Als Leiter der Merxhäuser Gerontopsychiatrie wird Burkhard Struwe heute verabschiedet. Er will nun vor allem Ehemann, Vater und Großvater sein. „Ich freue mich auf das Leben nach der Arbeit“, sagt der Facharzt für Gerontopsychiatrie und blickt hinüber zu einem gerahmten Foto. Die Kulleraugen von Enkeltochter Hannah blicken erwartungsvoll aus dem Bilderrahmen.

Hannahs Großvater hat von seiner Enkeltochter etwas entscheidendes für die Therapie seiner Patienten gelernt: „Wenn Hannah die Orientierung verliert, muss ich sie an die Hand nehmen“, sagt Burkhard Struwe. Das haben seine junge Enkeltochter und seine betagten Patienten gemeinsam.

„Menschen sind die beste Medizin“, sagt der Arzt, der vielen Dementen einen Mitmenschen an die Hand gab, der sie aus dem grauen Labyrinth führt. „Die Lösung ist nicht neu“, erklärt Struwe bescheiden, „Sie müssen sie nur umsetzen.“ In den Vereinigten Staaten und Holland war die Idee der Alltagsbegleiter schon längst praktisch ausgereift, als Struwe sie im Landkreis durchsetzte.

Mit seinem Grundsatz ging Struwe nicht den Weg des geringsten Widerstands: „Je mehr man sich auf den Patienten einlässt, umso betroffener macht einen sein Tod“, sagt er. Mit ihm verlässt ein führender Kopf die Merxhäuser Klinik. Was bleibt, sind die Denkanstöße, die die Gerontopsychiatrie weiter verbessern sollen.

„Ich habe keine Angst, alt zu werden“, sagt der Arzt, der in mehr als drei Jahrzehnten 13 000 demente oder depressive Alte behandelte. Mit seinen eigenen Therapieansätzen hat sich Burkhard Struwe die Furcht vor dem Alter genommen. Dr. Struwe weiß: Gesellschaft macht lebendig, Lachen ist gesund – und Rock’n’ Roll hält jung. „Jeden Dienstag tanze ich mit meiner Frau Rock‘n’ Roll im Keller.“

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare