Rohde: Widerspruchsfrist für Kündigungen endet am Montag

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Traurige Realität: 130 Menschen verlieren bei dem Schwalmstädter Traditionsunternehmen ihren Job. Drei Wochen hatten sie die Möglichkeit, der Entlassung zu widersprechen.

Ziegenhain. Seit drei Wochen müssen sich 130 Menschen mit einer bitteren Wahrheit abfinden: Ihnen bleibt nichts als der Weg zum Arbeitsamt.

Der Schuhhersteller Rohde hatte ihnen gekündigt, weil das Unternehmen seine Produktion in Schwalmstadt einstellt. Am Montag endet für sie die Frist, gegen ihre Entlassung Einspruch einzulegen.

Hans Schweinsberg, stellvertretender Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) sieht für die Rohde-Mitarbeiter wenig Chancen auf gerichtlichem Wege gegen die Entlassungen vorzugehen. Zwar vertrete seine Gewerkschaft in diesem Fall zehn Mitarbeiter, aber auch „ihnen sei reiner Wein eingeschenkt worden“, dass es wenig Aussicht auf Erfolg gebe. So bitter es für den einzelnen sei, aber einen Arbeitsplatz, den es nicht mehr gebe, könne man nicht einklagen. Der Kasseler Gewerkerschafter wie auch der stellvertretende Rohde-Betriebsratsvorsitzende Dieter Langstädtler bekräftigten im Gespräch mit der HNA, dass im Zusammenhang mit Interessenausgleich und Sozialplan aus ihrer Sicht alles hieb- und stichfest sei. Arbeitsrechtler und Vertreter der Gewerkschaft hätten dem Betriebsrat bei den Verhandlungen mit der Geschäftsführung zur Seite gestanden.

Hans Schweinsberg

Ungereimtheiten, wie sie beispielsweise der Marburger Fachanwalt für Arbeitsrecht Wolf Steinmeyer, der für 20 Mitarbeiter Klage erhebt, weisen Langstädtler wie auch sein Gewerkschaftskollege Schweinsberg von sich. Für Abfindungen der 130 Mitarbeiter stellt Rohde insgesamt 590.000 Euro zur Verfügung. Aus wirtschaftlicher Sicht seien mehr als durchschnittlich 4500 Euro nicht möglich gewesen, sonst hätte dem Unternehmen die Insolvenz gedroht, noch mehr Arbeitsplätze wären bedroht gewesen, stellte Langstädtler klar. „Um nicht die ganze Firma zu gefährden, hat es keine Alternativen gegeben.“ Das hätten auch unabhängige Gutachter bestätigt.

„Wir müssen nun nach vorne gucken“, sagte Schweinsberg. Seine Gewerkschaft will die Betroffenen mit einer internen Börse unterstützen, neue Arbeitsplätze zu finden und habe bereits mehr als 100 Betriebsräte in Nordhessen angeschrieben, freie Stellen zu melden.

Nach Angaben des Betriebsrats arbeiteten die gekündigten Rohde-Mitarbeiter durchschnittlich 27 Jahre im Betrieb, das Durchschnittsalter beträgt 47 Jahre. Am Standort in Schwalmstadt verbleiben noch 170 Mitarbeiter der Firma Rohde.

Von Sylke Grede

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Quelle: HNA

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