Giftunfall: Homberger Stadthalle wurde zu einem Lazarett

Routiniert und ruhig ging es in der Homberger Stadthalle zu, in die die Mitarbeiter der Logistikfirma nach dem Giftunfall gebracht wurden. Ärzte und Rettungskräfte sorgten im Inneren für einen reibungslosen Ablauf.

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Die Verletzten wurden erfasst und mit einer Kennkarte versehen, auf denen ihre Daten und der Befund vermerkt waren. Hombergs Bürgermeister Martin Wagner stimmte die Evakuierten auf einen längeren Aufenthalt ein und sprach von einem „kleinen Gefängnis“. Stadthallen-Hausmeister Jürgen Harbusch organisierte einen großen Fernseher zum Zeitvertreib.

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Währenddessen bauten die Spezialisten der Felsberger Feuerwehr auf dem Hof ein Zelt mit Dekontaminations-Duschen auf. Vor der Tür des Foyers standen Angestellte des Logistikers und Lastwagenfahrer bei einer Zigarette und redeten über das, was geschehen war.

Schlimmer als faule Eier

„Das hat schlimmer gestunken als faule Eier“, erzählt ein Homberger von dem Moment, als die giftige Wolke durch die Halle waberte. Er sei 400 Meter von der Unfallstelle entfernt gewesen, schätzt der Mann, der über ein Kratzen im Hals berichtete.

Kollegen hätten über Atemnot geklagt. Auch Thomas Wölfer hat den Unfall am eigenen Leib erfahren. Der 43-Jährige aus Niederbayern fährt für eine Regensburger Spedition. Er spricht von einem Geruch nach verbranntem Gummi oder verschmorten Getrieben. Wölfer wurde übel, er legte sich in seinem Lkw etwas aufs Ohr, bis er evakuiert wurde. Das sei gegen 1.45 Uhr gewesen, erzählt er. In der Stadthalle habe man ihm eine Infusion gelegt und Kortison gespritzt. Dann begann das lange Warten auf den Gang ins Entgiftungszelt.

Am Ort des Unfalls muss zunächst große Verunsicherung geherrscht haben, erzählt ein Mitarbeiter. „Wir wurden von einer Seite zur anderen geschickt“, sagt er. Dann sei das Gift abgestreut und herausgefahren worden. In der Stadthalle mussten die Evakuierten sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Die Kleidung wurde in Plastiksäcke verpackt, um sie später ebenfalls zu reinigen.

Offenbar dauerte es lange, bis genau bekannt war, was es mit dem Giftstoff auf sich hatte. Immer wieder versuchten Helfer den Lieferanten in den Niederlanden telefonisch zu erreichen.

Für die von der Unfallstelle evakuierten Mitarbeiter und Fernfahrer blieb auch nach dem gestrigen Tag noch ein Rest Unsicherheit. Bis zu zwei Tage nach dem Unfall könnten noch Symptome auftreten, hatten ihnen die Ärzte gesagt. So lange müssen sie noch bangen.

Quelle: HNA

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