Theater Anu präsentiert Rufe im Schattenwald bei Wallenstein

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Dunkle Gestalt: Kerkil, einer der Raben, die die Besucher am ersten Tor in die Welt des Waldes und der Phantasie führten, gespielt von Jacek Klinke.

Wallenstein. Zu einer Reise in die Welt der Märchen und Mythen waren die Besucher des Theaterstücks Schattenwald nach Wallenstein eingeladen.

Oft Hand in Hand, wie ängstliche kleine Kinder, staksten viele vorsichtig vorbei an Licht- und Theaterinstallationen, begleitet von dem lauten Rah, Rah, Rah der Raben.

Das Märchen „Die sieben Raben“, in dem die Jungen vom Vater zu Raben verwunschen werden, hat das „Theater Anu“ in seiner Aufführung aufgegriffen. Der Rabe Kerkil schickt die Besucher, in Holzfällerkinder verwandelt, in den Wald. Auf dem Weg rufen immer wieder leise Stimmen „Riecht den Wald, rettet den Wald“.

Der Pfad führt an Lichtinstallationen vorbei, die Märchen wie Sterntaler und Rotkäppchen symbolisieren. Dazu ertönen wieder Stimmen. „Bin bei Sonne und Mond und den Winden gewesen und habe nach dir gefragt und habe dir geholfen gegen den Lindwurm, willst du mich denn ganz vergessen?“ Szenen tauchen im Geiste auf, aus dem Vergessen wird Erinnerung und der Zuschauer zum neugierigen Kind.

Immer tiefer führen die Bilder und Installationen hinein in eine poetische alte Fabelwelt. Zwischen dem Dunkel der riesigen Bäume weht eine Jungfrau im Wind wie auf einer riesigen Hängematte, windet sich zwischen den Bäumen, wirft dramatische Schattenbilder auf einen Mond.

„Ich rieche Menschenfleisch“, raunt da wieder ein Rabe aus dem Dunkel und schnüffelt nahe am Besucher. Donnergott Thor, der Bekämpfer der Riesen in der germanischen Sage, zeichnet auf einer Leinwand zwei Schattenfiguren gleichzeitig im Kampf. „Der schlafende Riese darf nicht geweckt werden“, sagt er.

Damit die Welt der Phantasie und Mythen erhalten bleibt, fordert am Ende der 80-minütigen Theaterwanderung wieder eine Rabenfigur den Besucher zu einer Opfergabe auf. Sie hat sich am Wegesrand im Feld versteckt, taucht wie aus dem Nichts auf, flattert mit den Flügeln umher. Eine Besucherin schneidet sich eine Haarsträhne ab. Hinaus durch das letzte Tor, ein Sternendach in den Bäumen, geht es wieder in die Realität.

Am Ende sind die Besucher beglückt von der ergreifenden Erfahrung im atmosphärisch dichten Wald und den rauschenden Bildern, die das Theater Anu aus Berlin unter Federführung von Bille und Stefan Behr inszenierte.

Die letzte Aufführung 

Am Samstag, 4. September, gibt es die letzte Gelegenheit, sich das Stück an der Wallensteiner Burgruine anzusehen. Die Vorstellungen beginnen um 20.45 Uhr, der Spaziergang dauert 80 Minuten. Start ist alle 15 Minuten, Gruppengröße: 50 Personen. Festes Schuhwerk empfohlen, keine Barrierefreiheit. Geeignet für Kinder ab zehn Jahren.

Quelle: HNA

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