Nach tragischem Unglück

S-Bahn-Haltestelle Ostendstraße heißt jetzt Alptug-Sözen-Station: Gedenktafel enthüllt

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Nach dem Unfall-Drama an der Frankfurter S-Bahn-Station Ostendstraße fand am Mittwoch eine Gedenkfeier mit Familienmitgliedern und Vertretern der Stadt statt.

Update, 13. Juni, 12:46 Uhr: Klaus Vornhusen, der regionale Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn, hat betont, dass die Umbenennung der Station Ostendstraße „aus Sicht der Bahn sehr, sehr ungewöhnlich“ sei und wohl eine Ausnahme bleiben wird. Stationsnamen hätten eigentlich eine nüchterne Funktion. Der mutige Einsatz von Alptug Sözens verdiene aber eine einmalige Gedenkform, die der Familie hoffentlich ein kleiner Trost sein könne, wenn die Trauer sie zu überwältigen drohe.    

Update, 12. Juni, 14.16 Uhr: OB Peter Feldmann sprach bei der Gedenkfeier am Ort des Unglücks von einem "Helden". Der junge Hanauer wollte an der Station am 13. November 2018 einen Obdachlosen aus einem S-Bahn-Gleis retten und wurde dabei selbst überfahren.

Tausende Menschen hatten anschließend eine Umbenennung der Station gefordert. Die Stadt Frankfurt und die Deutsche Bahn hatten sich am Ende mit der Familie des 17-Jährigen darauf geeinigt, die Zusatzschilder am Zugang zur Station und an der Unfallstelle anzubringen, um an Sözen zu erinnern. 

Tragisches Unglück an S-Bahn-Station "Ostendstraße": Debatte um Gedenktafel

Am Mittwoch wurden nun die Gedenktafel und mehrere Schilder mit dem Titel "Alptuğ-Sözen-Station" angebracht. OB Peter Feldmann (SPD) war bei der Einweihung anwesend. Er hatte zuvor die Entscheidung der Stadt damit begründet, dass das Schicksal Sözens viele Menschen bewegt habe und mit den Schildern in der Station an das "selbstslose und ehrenvolle Handeln" eines Menschen erinnert werde, der helfen wollte. Feldmann sprach von einem "Schicksal, das viele Tausend Menschen berührt hat."

Neben der Familie nahmen an der Gedenkfeier auch Klassenkameraden von Alptug Sözen aus Hanau teil, außerdem Mitglieder des zuständigen Ortsbeirats und der Kommunalen Ausländervertretung. In der großen Halle im Mittelgeschoss der Station wurde die neue Gedenktafel enthüllt, sowie ein Stationsschild Ostendstraße ergänzt, das nun den Zusatz „Alptug-Sözen-Station“ trägt. Ein weiteres Zusatzschild wurde am Zugang zur Station, Hanauer Landstraße/Ecke Grüne Straße, angebracht.

Update, 18. April: Die Anteilnahme aus der Bevölkerung nach dem tragischen Tod des jungen Hanauers Alptug Sözen in der Frankfurter S-Bahnstation Ostendstraße ist nach wie vor groß. Viele hatten sich gewünscht, dass die S-Bahnstation in Alptug-Sözen-Station umbenannt wird. 56.000 Menschen haben eine entsprechende Online-Petition unterschrieben. Das sei eine ordentliche Zahl für eine lokale Petition, sagte Lewamm Ghebremariam von Change.org.

Am Mittwoch übergaben die Initatoren, unter anderem Dogus Albayrak, der Bruder von Tugçe Albayrak, die 2014 in Offenbach niedergeschlagen wurde und starb, die Unterschriften an Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Hilfsbereitschaft werde in Frankfurt wahrgenommen und respektiert, sagte Feldmann, auch wenn die Hilfe wie im Fall von Alptug Sözen tragisch endete. Für Feldmann sei der 17-Jährige „ein Held, der sich geopfert hat“. 

Trauerstelle an der Haltestelle Ostendstraße

Bereits seit einigen Wochen steht fest, dass die Stadt Frankfurt gemeinsam mit der Deutschen Bahn dem Wunsch nachkommen wird. Die Station Ostendstraße bekommt ab Juni den Beinamen Alptug-Sözen-Station. Ein Stationsschild wird im Mittelgeschoss der Eingangshalle angebracht, wo auch eine Gedenktafel aufgestellt wird. Weitere Zusatzschilder kommen an den Unfallort am Gleis sowie an den Eingang an der Hanauer Landstraße, Ecke Grüne Straße. „Wir sind sehr froh über diese Entscheidung“, sagte Albayrak. Die Eltern von Alptug Sözen wüssten die Anerkennung zu schätzen.


Update, 26. März, 14:18 Uhr: Die Entscheidung der Stadt Frankfurt, Gedenktafeln an der S-Bahn-Haltestelle Frankfurt anzubringen, die das Andenken des Hanauers Alptug Sözen ehren sollen, wird im Netz kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite erhält die Idee große Zustimmung: "Das ist toll, Danke!", heißt es auf Facebook. Doch es regt sich auch Widerstand. 

Wie Alptug Sözen gedacht werden soll, wird heftig diskutiert

Aber die Entscheidung kommt nicht bei allen Nutzern gut an. "Das ist doch bekloppt", schreibt ein Nutzer und verweist auf andere Unfälle, wo Stationen nicht nach den Opfern benannt wurden. "Eine kleine Gedenktafel hätte es auch getan und dann auch bitte für jeden, der Zivilcourage gezeigt hat", heißt es weiter. Die Kritiker sorgen sich um das Wohlbefinden des Lokführers, der damals von dem Unglück betroffen war. Der solle nicht jeden Tag auf der Arbeit das Gesicht des toten Jungen sehen müssen. 

Update, 25. März, 12:57 Uhr: An der Frankfurter S-Bahn-Station Ostendstraße sollen eine Gedenktafel und mehrere Zusatzschilder mit dem Titel „Alptug-Sözen-Station“ angebracht werden. Hierauf verständigten sich die Familie des jungen Mannes, die Stadt Frankfurt und die Deutsche Bahn.

Oberbürgermeister Peter Feldmann sagt: „Das Schicksal Alptugs hat viele Menschen weit über die Grenzen Frankfurts hinaus tief bewegt. In einer Online-Petition haben sich bundesweit Tausende dafür ausgesprochen, die Station ihm zu Ehren umzubenennen. Dem Anliegen eines würdigen und dauerhaften Gedenkens seines selbstlosen und ehrenvollen Handels werden wir mit der nun gefundenen Lösung gerecht.“

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Nach Unfall-Drama steht fest, was mit der Ostendstraße geschehen soll

Der 17-jährige Schüler Alptug Sözen kam im November vergangenen Jahres an der Station Ostendstraße ums Leben, als er versuchte, einem im Gleisbett liegenden Mann zu helfen. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter für das Land Hessen der Deutschen Bahn, sagt: „Der tragische Tod von Alptug Sözen hat auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn erschüttert. Uns war es daher wichtig, in Abstimmung mit der Familie und der Stadt Frankfurt eine würdige Form des Gedenkens für dieses auch uns sehr berührende Ereignis zu finden.“

Trauerstelle an der Haltestelle Ostendstraße

Konkret ist geplant, in der großen Eingangshalle im Mittelgeschoss der Station eine Gedenktafel anzubringen sowie dort ein Stationsschild Ostendstraße zu ergänzen, das den Zusatz „Alptug-Sözen-Station“ erhält. Ein weiteres Zusatzschild mit der Aufschrift „Alptug-Sözen-Station“ wird am Zugang zur Station an der Hanauer Landstraße/Ecke Grüne Straße angebracht. Zudem erinnern am Unfallort am Gleis entsprechende Zusatzschilder mit der Aufschrift „Alptug-Sözen-Station“ an den Schüler. Die Einweihung wird voraussichtlich im Juni erfolgen.

Erstmeldung, 27. November: Frankfurt - Es ist der Stoff, aus dem Heldengeschichten sind. Der tragische Tod des 17-jährigen Alptug Sözen, der einen Obdachlosen aus dem Gleisbett der S-Bahn-Station Ostendstraße retten wollte und dabei sein Leben verlor, sorgt auch Wochen nach dem Unfall für große Bestürzung, wie fnp.de* berichtet. Mittlerweile haben 50.000 Menschen eine Online-Petition unterschrieben, die sich dafür ausspricht, die Frankfurter S-Bahn-Haltestelle Ostendstraße in "Alptug-Sözen-Station" umzunennen. Auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) - Hanau ist  Sözens Heimatstadt - und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) haben sich öffentlich dafür ausgesprochen, dem jungen Mann würdig zu gedenken. Auch sympathisieren beide deutlich mit der Idee, die S-Bahn-Station an der das Unglück geschah, umzubenennen. 

50.000 haben eine Petition unterschrieben

Der öffentliche Druck, der durch die Forderung entstehen könnte, ist eine Herausforderung für die Deutsche Bahn. Denn so einen Fall hat es in der Form noch nicht gegeben, bestätigt eine Bahnsprecherin auf Nachfrage. Nur der Fall von Dominik Brunner, der 2009 nach einer Auseinandersetzung an einem S-Bahnhof in München um Leben kam, habe zumindest eine gewisse Ähnlichkeit.

Bis dato gebe es in ganz Deutschland keine S-Bahn-Station, die nach einer Person benannt wurde - aus welchen Gründen auch immer. „Die Namen der S-Bahn-Stationen sollen vor allem der Orientierung dienen“, erklärt sie. Deshalb würden die Stationen in der Regel nach Plätzen und Straßen in unmittelbarer Nähe benannt werden. Aktuell suche man nun das Gespräch mit alle Beteiligten. Man wolle vor allem die Wünsche der Familie des jungen Mannes anhören und berücksichtigen. 

Es ist unüblich, Straßen neu zu benennen

Einfacher wäre der Fall, wenn die Stadt die Ostendstraße in Alptug-Sözen-Straße umbenennen würde, räumt die Sprecherin ein. Der Eindruck täuscht. Dies dürfte allerdings sehr unwahrscheinlich sein. "Bereits eingeführte Straßennamen sollten nicht unbedingt geändert werden", sagt Mark Gellert, Sprecher des Frankfurter Planungsdezernats. Er verweist auf den Leitfaden, den die Stadt zur Straßenbenennung konzipiert hat. Denn dies würde einen erheblich Aufwand für die Anwohner bedeuten. Das fange bei der Aktualisierung der Ausweisdokumente an und höre bei den Visitenkarten auf. Aber prinzipiell könne der zuständig Ortsbeirat eine Umbenennung der Ostendstraße in Alptug-Sözen-Straße vorschlagen. Hierfür habe er das Initiativrecht. 

Umbenennung erst drei Jahre nach dem Tod möglich

Aber auch wenn sich der Ortsbeirat dafür entscheiden sollte, wäre eine Umbenennung erst im Jahr 2021 möglich. Denn erst drei Jahre nach dem Tod der zu ehrenden Person, darf mit einem Straßennamen ihrer gedacht werden. So sieht es der Leitfaden der Stadt vor.

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