Säbel erzählen Geschichte

Hans-Georg Denke sammelt historische Waffen und Regimentsgeschichten

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Sein Haus gleicht einem Museum: Zur Sammlung von Hans-Georg Denke zählen ungefähr 500 historische Waffen und ein umfangreiches Antiquariat. Foto: Grede

Ziegenhain. Hans-Georg Denke ist Experte für historische Waffen. Degen, Säbel, Bajonette, Zündnadelgewehre - circa 500 Exponate zählen zu seiner Sammlung, deren jüngsten Exemplare aus dem Ersten Weltkrieg stammen.

„Egal welcher Krieg“, sagt Hans-Georg Denke, „für die unmittelbar Beteiligten bringt er nichts als Leid und Tod.“ Und der Ziegenhainer weiß, wovon er spricht.

Ich sammele - und habe einen Heidenrespekt“, sagt der 64-Jährige. Und es ist die Achtung vor den Menschen, die die Waffen trugen und das Interesse an der Zeit, in der sie lebten, die ihn bewegen. Denn die Historie war und ist für den pensionierten Verwaltungsbeamten das Motiv, Blankwaffen bis zum Ersten Weltkrieg zu sammeln. „Ich finde Geschichte ungemein spannend. Mich interessiert, was eine Waffe erlebt hat, warum sie hergestellt wurde, was die Stempel auf der Waffe bedeuten. Mit den Waffen lässt sich ein Teil der Geschichte belegen.“ Und genau damit kommt Denke zum zweiten Teil seiner Sammlung, die in seinem Haus gleich auf zwei Etagen an überbordenden Regalwänden sichtbar wird: Der Ziegenhainer sammelt auch die Regimentsgeschichten aus der Kaiserzeit. So kann er fast alle gestempelten Waffen und Ausrüstungsstücke zuordnen.

Begonnen habe alles bereits in seiner Schulzeit, erzählt er. Damals sei überall etwas herum geflogen, ein alter Helm ein Paar Patronentaschen, Seitengewehre. Allerdings erst während der Ehe mit seiner ersten Frau, einer Französin, begann er mit Struktur zu sammeln - im Prinzip alles, was mit dem Ersten Weltkrieg zusammenhing, persönliche Ausrüstungsstücke der Soldaten, Helme, Waffen. Und es war eine Begegnung der beiden Großväter des Ehepaares, des Franzosen und des Deutschen, die im Ersten Weltkrieg an der selben Front gegeneinander gekämpft hatten, die ihn beeindruckt hatte: „Weinend umarmten sich die beiden bei ihrer ersten Begegnung.“

Ab etwa 1980 standen für Georg Denke dann die Truppengeschichten im Vordergrund. Besonders ans Herz gewachsen sind ihm zwei Waffen, die er noch nach 145 bzw. 160 Jahren anhand der Truppenteilstempel einer einzelnen Person zuordnen kann: Da ist zum einen der Kavalleriesäbel (hergestellt 1855), der in der 2. Eskadron des Dragoner-Regiments Nr. 5 ausgegeben worden war. Und der Säbel erzählt ein Stück deutsche Geschichte. 1866 nahm das Regiment am Deutschen-Deutschen Krieg, insbesondere an den Kämpfen in der Rhön und an der fränkischen Saale teil und wurde im August 1866 als Besatzungstruppe nach Rheinhessen verlegt. Nach dem Waffenstillstand zwischen den süddeutschen Staaten, Sachsen, Hannover sowie Österreich einerseits und Preußen andererseits wurde das Regiment Mitte September 1866 nach Frankfurt und Umgebung verlegt. Von dort aus nahm das Regiment am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil.

Im Jahre 1875 erfolgte die Verlegung von Frankfurt in das „ungeliebte Ackerbauerstädtchen Hofgeismar“. Als einer der Gründe für die Verlegung nach Hofgeismar wurden „zu tolle Feiern im Offizierscorps“ genannt. Und da schließt sich der Kreis: In der alten Dragonerkaserne in Hofgeismar hat auch der jetzige Eigentümer der Waffe seinen Wehrdienst abgeleistet.

Die Frage, ob mit diesen Waffen jemand umgebracht wurde, blendet Denke aus. Für ihn sind das alles historische Gegenstände - ebenso wie ein Schwert aus dem Mittelalter oder Pfeil und Bogen aus der Türkenzeit. Und er sagt: „Das hat nichts mit meiner generellen Einstellung zu Krieg oder Gewalt zu tun - beides lehne ich aus tiefster Überzeugung ab.“

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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