Vergnügliches Kabarett mit Uwe Steimle im Saal des Goldenen Löwen in Spangenberg

Säcks’sch ist keine Drohung

Uwe Steimle muss es wissen: Mit „Nu!“ gibt sich der Sachse in seiner Grundhaltung zu erkennen - er sagt eben nicht Ja oder Nej. Foto:  K. Brandau

Spangenberg. Mehr als 200 Zuschauer und eine anregend heiter-erwartungsfrohe Stimmung empfingen am Freitagabend den Dresdener Uwe Steimle im Saal des Spangenberger Gasthauses „Goldener Löwe“ zum gemeinsamen Lachen und Lernen. Sein Programm „Authentisch – ein Stück weit“ ergab eine köstliche Bilanz der Jahre vor und nach der Wiedervereinigung Deutschlands durch humorvolles wie tiefsinniges Nachdenken über Verbindendes und Unterscheidendes.

Steimle, der offenbar nicht unter „geschichtlichem Alzheimer“ leidet, arbeitete in oft entwaffnender Selbstdarstellung und mitreißendem Sprachwitz politische Fakten, Lebensweise und Sprache der ehemaligen DDR auf. Mit typischer sich überschlagender Stimme ließ er Erich Honnecker auferstehen, dessen inhaltsleere politische Botschaft er sachlich und sprachlich sezierte, um schließlich auffällige Parallelen zu Angela Merkels Redestil zu entdecken. „Sie sollte ihre Reden nicht selber schreiben“, riet er. „Es gibt noch Überlebende der Wende!“

Das humorvolle Spangenberger Publikum ließ sich auf die „interaktiven Einlassungen“ von Uwe Steimle schlagfertig, charmant und weltwissend ein. Nicht nur sprachlich entdeckte man viel Gemeinsames. „Säcks´sch ist keine Drohung“, versprach Steimle und übersetzte immer wieder bereitwillig Idiome aus dem Sächsischen, der DDR-Politsprache und dem Neudeutschen. So weiß nun jeder, dass „Sobodnik“ aus dem Russischen abgeleitet den freiwilligen Arbeitseinsatz am Samstag bedeutet. „Fourschbo“ sei das Lieblingswort der Sachsen, behauptete Steimle, verwendete aber ebenso oft das Wort „härrlisch“, was seine Anfangstheorie bestätigt: „Der Sachse sagt von der Grundhaltung her nicht ,ja‘ und nicht ,nej‘, sondern ,nu‘.“ So war es auch auf dem Steimles T-Shirt zu lesen.

Große Heiterkeit erzeugten seine eigenwilligen, aber absolut einleuchtenden Wortschöpfungen. Steimle „synapsiert“ bisweilen und bringt dann so sinnstiftende Kreationen wie „Konditoralschäden“, „Zlotychaise“ oder „Abschwitzpause“ zu Gehör.

Mit scheinbar intuitiver, fast unvorbereitet wirkender Leichtigkeit parlierte Uwe Steimle über einfache menschliche Grundwahrheiten, nahm auf die kabarettistische Schippe, was ihm an Menschlichem und Unfassbarem begegnete. Sein Plädoyer zur Bildungspolitik, seine Grundeinstellung zur Roulade (mit oder ohne Gurke), sein Urteil über die Vor- und Nachteile der Wende waren sprachlich genial vorgetragen und vermittelten menschliche Bodenständigkeit, Heimatverbundenheit und viel Toleranz. Uwe Steimle wirkte rundherum authentisch, und das nicht nur im Sinne einer Worthülse „ein Stück weit“.

Nicht nur einmal kam die Botschaft rüber, dass die verbindenden Elemente zwischen Sachsen und Nordhessen, zwischen Ost und West, so vielfältig, die Einigkeit so fortgeschritten und die Toleranz gegenüber den reizvollen Unterschieden so groß ist, dass man das gar nicht „furchtbar“ finden kann.

Von Karin Brandau

Quelle: HNA

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