Anneliese Pachali über den Chorgesang in Werkel

Sängerfest im Regenchaos

Anzeige aus dem Jahr 1926: So wurde zum Sängerfest eingeladen.

Werkel. Im August will der Gemischte Chor Werkel sein Jubiläum feiern. Im Gründungsjahr 1888 entstand ein Männerchor, der in den ersten Jahren des II. Weltkriegs aufgeben musste, da einige Sänger gefallen waren und andere an der Front kämpften. Der Verein wurde 1940 als ruhend gemeldet.

Alles Hab und Gut, die Protokollbücher und die 1897 geweihte Fahne verbrannten am 31. März 1945, als durch die unsinnige Verteidigung des deutschen Militärs 60 Prozent des Dorfes von den Amerikanern zerstört wurden.

Nur Zufallsfunde helfen

Durch dieses Ereignis ist die Vereinsgeschichte der ersten 52 Jahre nur durch Zufallsfunde nachzuvollziehen, zum Beispiel befanden sich die Gründungsurkunde und die Statuten von 1888 im Staatsarchiv Marburg.

Im Kreisanzeiger vom 15. Mai 1926 lädt der Gastwirt Michel Bax zum Bundessängerfest des Eder-Elbe-Emstal-Sängerbundes in Werkel ein. Am 18. Mai berichtete die Zeitung: „Leider stand das Fest im Zeichen des Regens (es regnete seit Tagen, die Emswiesen standen unter Wasser und es war kalt) trotzdem waren zehn Vereine mit ihren Fahnen gekommen und es kam ein ansehnlicher Festzug zustande. Die Festfreude war ungetrübt, vor allem an der Theke. Am Abend machte ein starker Gewitterregen dem Fest endgültig den Garaus.“

Ehemalige Festteilnehmer erzählten ihren Kindern und Enkeln immer wieder gern von diesem ganz besonderen Sängerfest: „Die Gäste kamen in Mänteln und Stiefeln und standen vor der Theke bis an die Knöchel im Schlamm. Während der Liedvorträge wurde an der Theke gelärmt und es sangen auch mal zwei Chöre gleichzeitig, aber verschiedene Lieder. Der Verein aus Geismar trug das Lied vor: ’Oh du klarblauer Himmel’. Man hatte sich lange vorbereitet und konnte nun auf das Wetter keine Rücksicht mehr nehmen.“

Das Festzelt befand sich gegenüber der Schule direkt neben dem Storchennest, und das Storchenpaar soll trotz Regen, Kälte und Krach dort tapfer ausgeharrt haben.

Der Mai 1926 war wohl genauso kalt und nass wie der, den wir dieses Jahr ertragen mussten. Die Sänger taten gut daran, nicht wie in der Vereinsgeschichte üblich im Mai sondern diesmal im August (hoffentlich ohne Regen) ihr Jubiläum zu planen.

Aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg stammt ein Foto (siehe oben), es zeigt die Männer des Werkeler Gesangvereins beim Festumzug durch ein Dorf in der näheren Umgebung.

Es ist jedoch unklar, wo und wann das Bild aufgenommen wurde. Daher die Fragen: In welchem Ort wurde diese Aufnahme gemacht? Wenn darüber hinaus noch jemand sagen könnte, wann und bei welchem Anlass, so wäre das perfekt. (nh) Hinweise zum Foto bitte an Anneliese Pachali, Tel. 0 56 22/39 81 oder an die HNA in Homberg, Tel. 0 56 81/99 34 38, Mail: homberg@hna.de

Von Anneliese Pachali

Quelle: HNA

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