Entdeckungen auf dem Dachboden des historischen Rathauses Zierenberg

Säulen hängen in der Luft

Architektonische Besonderheit: Die Firstsäulen im Rathaus Zierenberg zeichnen sich durch die Besonderheit aus, dass sie hängend für Stabilität sorgen. Architekt Robert Göbel beweist dies, indem er ein Stück Papier zwischen Fußboden und Säule schiebt. Fotos: Hoffmann

Zierenberg. Das historische Rathaus bildet den Mittelpunkt der Zierenberger Altstadt. 1450 durch Henrich Brant als Baumeister errichtet, gilt es heute als das älteste erhaltene Fachwerk-Rathaus Hessens. Den ursprünglich mit Ecktürmen versehenen spätgotischen Bau kennt in der Region fast jeder, dass sich hinter der schmalen Tür zum Dachboden aber architektonische Besonderheiten verbergen, das bleibt Besuchern normalerweise verborgen.

      Wer doch in den Genuss kommt, einmal über die steile Leiter hoch hinauf klettern zu können, kann sich glücklich schätzen, insbesondere dann, wenn Architekt Robert Göbel dabei ist. Der nämlich kennt sich bestens aus im Sammelsurium aus Balken, Latten und Holzkonstruktionen, die für Ottonormalverbraucher allein noch keine Besonderheit darstellen. Doch wenn Göbel vorsichtig über den eisig kalten Dachboden balanciert und anfängt, zwischen Spinnweben und Staub die Dachkonstruktion zu erklären, wird schnell klar, dass das Rathaus nicht nur von außen ein Kulturdenkmal ist.

Große Andreaskreuze

      Allein drei große Andreaskreuze zur Längsaussteifung sind hier zu finden. Dabei handelt es sich um Kreuze mit zwei diagonal verlaufenden, sich x-förmig kreuzenden Balken. Der Name deutet darauf hin, dass Apostel Andreas an einem solchen Kreuz gekreuzigt wurde. Beim Bau von Häusern zählte es in früheren Zeiten zu den Grundprinzipien der Fachwerkkonstruktionen.

       Eigentlich beansprucht diese herausragende Besonderheit das ehemalige Zaunsche Haus in der Mittelstraße für sich, das heute durch sein auf das Jahr 1369 datierte Andreaskreuz unter selbigem Namen bekannt ist. „Das dort in der Wohnung über der Gaststätte zu findende Andeaskreuz mag zu den größten in Deutschland zählen, die im Rathaus sind aber wesentlich größer“, weiß Göbel zu berichten. Sie sind Teil des Dachgefüges, bei dem es sich um eine sogenannte Firstsäulenkonstruktion handelt. „Das Sparrendach war im Jahr 1450 noch nicht in Nordhessen angekommen“, berichtet Göbel, während er bereits zur nächsten Besonderheit übergeht, dem nach 1600 eingebauten doppelten Hängewerk.

      „Dies war nötig geworden, als der Gewölbekeller nachträglich eingebaut wurde“, so der Hobbyhistoriker. „Die Konstruktion ist noch voll funktionsfähig, die Säulen hängen noch und der Luftzapfen ist auch noch da“, erklärt er und schiebt ein Blatt Papier unter eine der Säulen, um den Abstand zum Boden zu demonstrieren.

      Dabei fällt auf, dass viele der Balken auffällig schwarz sind, fast so, als hätte es hier einmal gebrannt. Doch dem ist nicht so, wie Göbel erklärt: „An dem verrußten Holz ist der Bürgermeister schuld.“ Um bei seinen Amtsgeschäften nicht zu frieren, habe man 1513 einen Kamin ins Zimmer des Rathauschefs gebaut und kurzerhand als Abzug ein Loch in die Decke zum Dachboden geschlagen.

      Heute ist die Verbindung zwischen Kamin und Dachboden wieder geschlossen, statt Feuer strahlt eine prächtige Palme im Kamin des Büros von Bürgermeister Stefan Denn. Auch hierzu öffnet sich ab und an die Tür, wenn man das Glück hat, mit Robert Göbel auf Entdeckungstour durchs historische Fachwerk-Rathaus von Zierenberg zu gehen. Lebendiger Adventskalender Wolfhagen: 17 Uhr, Altes Rathaus, Basteln, Klasse 3a und 3b, Grundschule Wolfhagen Bründersen: 17.30 Uhr, Kerzenbasteln, Treffpunkt vor der Kirche

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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