Mit dem Buschelbäcker über die Dörfer: Klaus Bernhardt bringt seinen Kunden alles

Ein Salatkopf als Beifahrer

Dorfidylle: Von links Anwohner Ingo Lampp, Mitarbeiterin Christa Schmidt, treue Kundin Katharina Riebeling und Buschelbäcker Klaus Bernhardt haben auch mal Zeit für ein kleines Schwätzchen während der Tour durch die Ortschaften. Fotos: Schittelkopp

Neukirchen. „Banane, Melone, Tomate“, fragt Klaus Bernhardt seine Kunden immer noch einmal zum Schluss. Er ist ein Verkaufstalent und: „Ich nehme frische Produkte nur ungern wieder mit zurück.“ In der vierten Generation bringt Klaus Bernhardt nun mittlerweile Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs zu den Schwälmern an die Haustür. Er ist der Buschelbäcker aus Neukirchen.

Der Lieferservice hat in der Familie Bernhardt Tradition. Lieferte der Urgroßvater vor 136 Jahren Mehl, Zucker und Hefe noch in einem Weidenkorb auf dem Rücken aus, flitzt Klaus Bernhardt heute mit seinem Renault-Lieferwagen von Tür zu Tür. Dienstags und donnerstags steuert der 58-Jährige immer Riebelsdorf an. Bevor Bernhardt um 11.30 Uhr seine Tour startet, ist er seit 7 Uhr auf den Beinen: War in seinem Edeka-Laden in Neukirchen, hat den Transporter neu beladen und Lieferungen abgearbeitet.

König im Kopfrechnen

Die erste Station in Riebelsdorf ist das Haus von Johannes Schreiner, der 79-Jährige reicht ihm die Einkaufsliste herüber und der Verkäufer legt los. Aus dem Kopf weiß Klaus Bernhardt, wo in seinem Wagen alles steht: Der Salatkopf fährt auf der Beifahrerseite mit, die Sahne liegt hinten in den Kühlkisten, darüber stapeln sich die Backwaren. Es gibt nichts, was der Buschelbäcker nicht ausliefert, vom Tomatenstreusalz bis zur Trauerkarte hat er alles dabei. Und was nicht griffbereit liegt, können die Kunden vorbestellen. „Das ist mir immer am liebsten, dann weiß ich, ich habe alles dabei“, sagt er.

Für jeden hat Klaus Bernhardt ein freundliches Wort und einen Spaß übrig und währenddessen rechnet er blitzschnell laut den Preis aus.

Der Buschelbäcker ist in vielen Ortschaften die einzige Möglichkeit einzukaufen. In Riebelsdorf gibt es seit knapp zehn Jahren kein Lebensmittelgeschäft mehr, einzig der Metzger ist geblieben.

„Ich kann mir keinen anderen Job vorstellen.“

Klaus Bernhardt

Besonders ältere Menschen sind auf den Buschelbäcker angewiesen, der mehr als nur warme Semmeln bringt. Katharina Riebeling kauft regelmäßig bei ihm ein. Die Rentnerin schätzt die Lieferung vor die Haustür. Auch Katharina Blumenauer zählt zu den Stammkunden: „Ich brauche nicht viel“, sagt sie, doch die Weintrauben waren lecker und so kauft sie wieder. Klaus Bernhardt bietet die Waren zum selben Preis wie im Laden an, auch die Sonderangebote liefert er aus. Zu seinem Edeka-Markt gehört auch die Bäckerei im Familienbetrieb. Klaus und sein Bruder Frank Bernhardt führen die letzte selbstständige Bäckerei in Neukirchen. „Hinter uns sind alle kleinen Bäckereien weggefallen“, sagt Bernhardt.

Doch nicht nur den Magen füllt Klaus Bernhardt den Menschen, manchmal übernimmt er auch therapeutische Funktion. „Leute, die allein wohnen, schütten gern ihr Herz aus“, sagt der Bäckermeister. Hat er Riebelsdorf bedient, fährt der Buschelbäcker weiter bis nach Trutzhain. Zwölf bis 15 Stunden haben seine Arbeitstage häufig. Doch: „Ich kann mir keinen anderen Job vorstellen.“

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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