Geraten die Winterdienste ins Schleudern? Lager leeren sich, Lieferungen kleckern nach

Salzleck führt aufs Glatteis

Entschärft glatte Kurven: Noch können die Winterdienste die Straßen (hier bei Niederelsungen) Salz streuen. Doch schon bald könnten die Vorräte knapp werden. Archifoto: nh 

Wolfhager Land. Streusalz wird zum knappen Gut: Mit jedem klirrend kalten Tag leeren sich die Salzlager der Kommunen im Wolfhager Land. Bleibt der Winter so eisig? Bei dem Gedanken daran fröstelt es die Bauhofleiter der Region.

Aus der Salzknappe im Rekordwinter 2010 haben die Kommunen gelernt – „wir hatten die Lager bis zur Decke gefüllt“, sagt Lars Eskuche, Leiter des Technischen Außendienstes. Doch der Hamsterkauf reichte nicht lange aus: Am Wolfhager Bauhof türmten sich vor Wintereinbruch 40 bis 50 Tonnen Streusalz – jetzt haben die Straßendienste nur noch acht Tonnen Salz zur Verfügung – genauso wie die Fußtrupps, die die Bürgersteige räumen. Bisher seien die Nachbestellungen pünktlich eingetroffen – „doch wir haben schon von anderen Kommunen gehört, dass es zunehmend zu Verspätungen kommt.“

Wie die meisten anderen Kommunen in der Region bezieht die Stadt Wolfhagen ihr Salz von Esco, dem größten europäischen Salzlieferanten. „Wir produzieren Salz auf Hochtouren“, sagt Sprecher Holger Bekemeier. Nicht der Salzvorrat werde knapp, sondern die Transportmittel, die das in riesigen Mengen angeforderte Salz zu den Kunden bringe. „Es ist ein logistisches Problem“, sagt Bekemeier. Er bestätigt, dass es schon jetzt zu erheblichen Verspätungen bei der Lieferung kommen kann. Währenddessen versuchen die Bauhöfe im Wolfhager Land den unberechenbaren Winter und die Folgen zu überblicken.: „Kommt es zu einer Verknappung, werden zunächst die Autobahnmeistereien, dann die Straßenmeistereien und zuletzt die Bauhöfe beliefert“, erklärt Arno Tornehl, Leiter des Zierenberger Bauhofs. Die Kommunen stünden ganz hinten in der Warteschleife.

Schon heute lernen die Städte und Gemeinden, mit Salz zu wirtschaften – denn sie streuen bares Geld auf die Straßen. „Eine Tonne Salz kostet zurzeit zwischen 60 und 80 Euro“, sagt Holger Bekemeier vom Salzlieferanten Esco. Die Stadt Zierenberg verbraucht derzeit vier Tonnen Salz am Tag – sie streut also täglich Salz im Wert von 280 Euro auf die Straßen.

Die Reaktion der Kommunen auf knappe Vorräte und Kassen: Den Salzstreuer schließen und die Räumschilder ausfahren. „Wir beschränken den Einsatz von Streusalz auf Kreuzungen und Gefahrenstellen“, sagt Gerhard Frank, Technischer Betriebleiter der Stadt Naumburg, „doch wenn das Wetter so bleibt, wird es eng.“

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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