Sarrazins Thesen: Muslimische Gemeinden wehren sich gegen Verallgemeinerung

Fritzlar-Homberg. Thilo Sarrazin spaltet die Nation. Mit seinen Aussagen zur Einwanderungs- und Integrationspolitik hat das Vorstandsmitglied der Bundesbank eine kontroverse Debatte ausgelöst.

Auch die muslimischen Gemeinden in der Region beschäftigen sich mit den Inhalten von Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab".

Sarrazin spricht darin arabischen und türkischen Einwanderern die Fähigkeit und den Willen zur Integration ab. Durch diese Aussagen fühlt man sich im türkisch-islamischen Kulturverein in Borken nicht angegriffen.

"So jemanden kann man nicht ernst nehmen", sagt der Vorsitzende Recep Akdag. Er ist überzeugt, dass Sarrazin mit seinen provokanten Thesen lediglich Werbung für sein neues Buch machen will. Die muslimische Gemeinde in Borken sei offen und habe einen guten Kontakt zu den Mitbürgern.

Für Akdag stellen Sarrazins Äußerungen eine Einzelmeinung dar, die nicht alle Deutschen vertreten. "Ich würde nie alle über einen Kamm scheren, so wie Herr Sarrazin das einfach mit den Muslimen macht", sagt er. Etwas differenzierter betrachtet man Sarrazins Äußerungen in der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Wabern.

Dort ist man sich bewusst, dass es bei der Integration teilweise Probleme gebe. "Vieles, was Sarrazin sagt, stimmt - aber es trifft eben nicht auf die Allgemeinheit zu", sagt die Pressesprecherin Samina Nadeen. Natürlich gebe es auch Empfänger von Sozialleistungen unter den Muslimen, dennoch dürfe man nicht verallgemeinern. Nadeen sieht vor allem für ältere Einwanderinnen Probleme, sich im Arbeitsmarkt zu integrieren.

"Einige können die deutsche Sprache nicht richtig. Deshalb geben wir in unserer Gemeinde auch Sprachunterricht", sagt sie. Schuld an der fehlenden Integration haben nach Nadeens Ansicht sowohl der deutsche Staat als auch die Einwanderer: "Einwanderer müssen sich um Integration bemühen, und Deutschland muss die Möglichkeiten dazu schaffen", sagt sie.

Von Diana Rissmann

Quelle: HNA

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