Tipps gegen Scamming

Verliebt in ein Phantom: Wie sich Täter das Vertrauen ihrer Opfer erschleichen

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An der Angel: Betrüger suchen ihre Opfer in sozialen Netzwerken und Partnerschaftsforen. Über Wochen erschleichen sie ihr Vertrauen, bevor sie zuschlagen.

Wolfhager Land. Die Tricks der Kriminellen werden immer raffinierter, die Opferzahlen steigen. In Kooperation mit der Polizei klären wir auf und geben Tipps zur Prävention. Heute zum Thema Scamming.

Gut sieht er aus, sehr symphatisch. Auf seinem Profilfoto hat er einen strubbeligen Hund im Arm. Als Andrea K. die Freundschaftsanfrage des Mannes auf ihrem Facebook-Profil aufploppen sieht, zögert sie keine Sekunde und bestätigt die Freundschaftsanfrage. Es dauert nicht lange, da kommt von ihm eine Nachricht. Es tue ihm sehr leid, dass ihr Hund gestorben sei, schreibt er auf englisch. Er habe auch seinen vierbeinigen besten Freund verloren und könne verstehen, wie sie sich fühle. Die 45-jährige aus dem Landkreis Kassel hatte einige Wochen vorher den Tod ihres Hundes auf Facebook gepostet.

William, wie er sich nennt, und Andrea tauschen sich weiter aus. Die Sprache ist für Andrea kein Problem. Er sei Amerikaner und als Offizier im Irak stationiert, schreibt er. Die Nachrichten auf Facebook und dem Handy fliegen hin und her. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis. Andrea ist inzwischen schwer verliebt. 

Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet und stundenlang telefoniert. Bei den Gesprächen geht es zu Beginn nicht um Geld, sondern um den Beruf, die Familie sowie um Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Nach gescheiterten Beziehungen scheint William endlich Mister Right zu sein. „Er war so einfühlsam und ich hatte das Gefühl, dass sich jemand wirklich für mich interessiert“, erzählt Andrea K.

Dann vertraut er seiner „Freundin“ an, dass er über viel Geld verfügt und dieses in Afrika nicht sicher wisse. Er wolle ihr sein Geld schicken, weil er ihr hundertprozentig vertraue. Sie solle es für ihn aufbewahren, und wenn ihm etwas passiere, behalten.

Andrea fühlt sich geehrt und stimmt zu. Das Paket wird dann angeblich beim britischen Zoll in London festgehalten. Für die Auslösung soll die Frau zunächst einen Betrag in Höhe von 3000 Euro bezahlen. Nachdem sie das Geld überwiesen hat, folgt eine weitere Nachricht, dass zusätzliche Zollgebühren in Höhe von mehreren tausend Euro bezahlt werden müssen. Andrea K. überzieht ihr Konto und zahlt. Als ihr dann mitgeteilt wird, dass der Mann gefangen genommen worden sei und sie 50 000 Euro Lösegeld für ihn zahlen soll, schöpft sie endlich Verdacht. Voller Scham meldet sie sich bei der Polizei.

Andrea K. ist am Boden zerstört. Das Geld ist weg, die Liebe war nur eine Seifenblase.

Hintergund: Täter erschleichen sich Vertrauen der Opfer

Scamming (engl. frei übersetzt: „betrügen“) wird von zahlreichen Internet-Gaunern betrieben. Die Betrüger haben das primäre Ziel, die Opfer um ihr Geld zu erleichtern. Es gibt verschiedene Formen von Scamming. Eine sehr verbreitete Form ist das „Romance-Scamming“ oder „Love-Scamming“. Dabei erschleichen sich die Täter das Vertrauen der Opfer. Kontakt aufgenommen wird über soziale Netzwerke, Dating-Portale, in Foren und auf anderen Chat-Portalen. So kann man sich laut Polizei schützen: Niemals einen Geldbetrag an Personen überweisen, die man nicht persönlich kennt und vor allem nicht an Leute, die man erst kürzlich im Internet kennengelernt hat.

Wie kommen Online-Betrüger in Kontakt mit ihren Opfern?

Die Betrüger suchen auf Online-Partnerbörsen und in sozialen Netzwerken wie Facebook und Myspace nach Opfern. Jörg Bringmann, stellvertretender Leiter des Internetkommissariats Kassel, erklärt das Vorgehen der Gauner.

Die Täter, vorwiegend Männer, gehen Mitgliederlisten in sozialen Netzwerken durch. Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient vielen als Erstkontakt. Um sich beim potenziellen Opfer interessant zu machen, legen sich die Scammer (frei übersetzt: Betrüger) ungewöhnliche Lebensgeschichten zu – und sie hinterlassen immer einen seriösen Eindruck.

Die Männer machen sich interessant. Wie geschieht das?

Es gibt typische Profile. Die Männer geben sich gerne als Soldaten, Ingenieure, Architekten, Soziologen, Konstrukteure in der Ölindustrie oder als Tierärzte und Computerspezialisten aus. Meist sind sie international tätig.

Auf den Fotos bekommen weibliche Opfer eine attraktive, weiße Person präsentiert. Und auch wenn die neue Bekanntschaft vorgibt, in Amerika oder im europäischen Ausland zu leben, so sitzen die Betrüger häufig in Westafrika. Davon merken die Opfer allerdings nichts.

Männer gehören ebenfalls zu den Opfern. Arbeiten die betrügerischen Frauen mit denselben Profilen?

Frauen geben sich bevorzugt als Krankenschwestern, Ärztinnen, Mitarbeiterinnen im Waisenhaus oder als Lehrerinnen, Schauspielerinnen sowie als Geschäftsfrauen jeder Art aus.

Wie erschleichen sich die Täter das Vertrauen der Opfer?

Die Männer und Frauen schaffen es, sich unverzichtbar zu machen – und zwar ohne ein einziges Treffen. Oft werden Geschichten über verstorbene Ehepartner und Kinder aufgetischt. Die Betrüger versprechen zum Beispiel, dass sie ihre neue Liebe danach besuchen werden. Doch bevor oder kurz nachdem das Ticket nach Deutschland angeblich gebucht wurde, gibt es Schwierigkeiten.

Was sind das für Schwierigkeiten?

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Sie nennen beispielsweise Überfälle, gestohlene oder konfiszierte Pässe, ein Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall oder Probleme mit Kreditkarten.

Und wie kommen die Täter dann an das Geld der Opfer?

Die Opfer werden gebeten, per Bargeldtransfer, zum Beispiel mit Western Union und MoneyGram, Geld zu senden. Die Liebe wird in solchen Bettelmails immer stark hervorgehoben.

Wollen die Täter dabei immer nur das Geld der Opfer?

Derzeit haben es die Betrüger auch auf ausländische Ausweispapiere abgesehen. Oft bitten sie ihre Opfer, ihnen Kopien von Pass und Reisepass zu schicken – mit der Erklärung, ein gemeinsames Konto eröffnen zu wollen. So können leicht Ausweise gefälscht werden. Begehrt sind auch Einladungen nach Deutschland als Unterstützung für einen Visumsantrag.

Wichtig: Wer eine ungewöhnliche Kontaktanfrage bekommt, sollte später niemals Geld überweisen, sondern immer die Polizei informieren.

Mehr Tipps der Polizei

In unserer Serie hat die Polizei bereits erklärt, wie man sich gegen Betrug am Geldautomaten, Datenklau im Internet, Autodiebe und Enkeltrick-Betrüger schützen kann.

Quelle: HNA

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