Neue Serie "Schätze im Chattengau": Ein Grab für Bella und Rosa

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Imposant: Ingrid Rittger kniet vor dem mächtigen Grabstein im Amselwald. Dort liegen die Pferde Rosa und Bella begraben. Das Bild unten zeigt die Inschrift.

Haldorf. Wahrzeichen, Sagen, Denkmäler: Unsere Orte haben viele Geschichten zu erzählen. In unserer neuen Serie „Schätze im Chattengau“ wollen wir Ungewöhnliches, fast Vergessenes und Typisches aus den Orten im Chattengau vorstellen.

Den Anfang machen wir mit dem Haldorfer Pferdegrab und den Hügelgräbern im Amselwald:

Bella und Rosa liegen vergraben im Haldorfer Amselwald. Beide wurden vor etwa 143 Jahren erschossen. Bella und Rosa waren Pferde, genauer Apfelschimmel, und über ihre letzte Ruhe wacht eindrucksvoll ein Grabstein. Die Inschrift auf dem behauenen Sandstein ist kaum noch zu entziffern, die sich anblickenden Pferdeköpfe sind indes noch gut zu erkennen.

Die Haldörferin Ingrid Rittger hat die Geschichte des Pferdegrabs im kleinen Wald bei Wolfershausen recherchiert. Sie kennt auch die Inschrift auf dem Stein: „Hier ruhen Bella und Rosa, den 13. Februar 1868“, sagt sie. Um das Pferdegrab ranken sich allerlei Geschichten. Die wahre sei zwar nicht so spektakulär, aber doch rührend, sagt Rittger. Die beiden Pferde waren ein treues Pferdepaar der Familie Biermann aus Kassel. Die Familie hatte es wohl zu einigem Reichtum gebracht – unter anderem mit einem, so wörtlich, „Rolettspiel“.

Die Pferde sollen verbraucht gewesen sein, wurden aber von den Familienmitgliedern geliebt. Der Landstallmeister von Eschwege soll nach einem überlieferten Brief der Familie Biermann die Pferde in deren Auftrag in ihrem Jagdbezirk erschossen haben. Bei dem Jagdbezirk muss es sich um den Amselwald gehandelt haben. Dort wurden die Pferde auch begraben.

In dem Brief der Familie heißt es auch, dass der Grabstein vom Maurer Reihs in Wolfershausen gefertigt wurde. Der imposante Stein würde sogar auf einem Friedhof einen stattlichen Eindruck machen.

„Die Tiere sollen nach dem Erschießen so in das Grab gestürzt sein, dass sie sich noch im Tode umhalsten“, sagt Ingrid Rittger. Dies sollen Nachfahren von Augenzeugen berichtet haben.

Nach einer Geschichte, die sich um das Pferdegrab rankt, handelt es sich bei den beiden Pferden, die unter dem Stein liegen, um die Isabellen (gelbliche Pferde) des letzten Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. Sie hätten den Leichenwagen des Kurfürsten gezogen und seien danach erschossen worden.

Friedrich Wilhelm I. starb jedoch erst 1875 in Prag und die acht Isabellen, die vor den Trauerwagen gespannt waren, vermachte er testamentarisch dem Kaiser von Österreich.

Aber auch die eigentliche Geschichte sei spannend, sagt Rittger. Es sei wichtig, solches Kulturgut lebendig zu halten. Das Grab liege mitten im Wald, früher spielten dort noch Kinder, heutzutage gerate so ein erhaltenswerter Ort schnell in Vergessenheit.

Nicht weit des Grabes stehen drei Hügelgräber aus der Jungsteinzeit. Diese seien kulturhistorisch viel bedeutender.

Der kleine Wald halte einige Überraschung bereit, sagt Rittger, er sei schon ein besonderer Ort. (ddd)

Quelle: HNA

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