Joachim Jacobi steigt am Samstag zum letzten Mal mit dem Sichedippen in die Bütt

Mit dem Schalk im Nacken

Begeisterter Karnevalist: Joachim Jacobi mit seinen Karnevalsorden. Im Arm hält er einen Ordner mit den Manuskripten seiner Texte fürs Sichedippen. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Gut 100 Jahre mag der schwarze Gehrock inzwischen auf dem Buckel haben. Am Samstag wird ihn Joachim Jacobi wieder tragen, wenn er in die Bütt steigt, um über den Köpfen der Naumburger Narren das Sichedippen auszuschütten. Ein letztes Mal, denn nach 29 Jahren wird Jacobi aufhören. Das Sichedippen, die karnevalistische Nachlese des vergangenen Jahres, wird künftig ein anderer präsentieren.

Nicht, weil es ihm keinen Spaß mehr machen würde, will er das närrische Kapitel schließen, sagt der 60-Jährige. Der Grund ist ein anderer. „Das Publikum ist im Schnitt 20 Jahre jünger als ich.“ Ob man da an deren Themen noch nah genug dran sein kann? Da hat er zunehmend seine Zweifel. „Wenn der Abstand zu groß wird, ist es Zeit für einen Wechsel“, sagt Jacobi. Und: „Es ist besser, ein paar Jahre zu früh aufzuhören, wenn die Leute noch sagen: schade, als ein Jahr zu spät.“

„Da ist sicher auch etwas Wehmut dabei, aber das halte ich aus.“

Joachim Jacobi

Keine Frage, seine große Fan-Gemeinde sähe es gern, wenn er weitermachen würde. 1982 hatte der Lehrer für Physik, Mathematik und Informatik das Sichedippen vom karnevalistischen Urgestein Heinz Gestrich übernommen. Für den närrischen Betrieb in Naumburg war der Neue ein Glücksfall: Ein Eingeborener, dem der Schalk im Nacken sitzt, mit karnevalistischer Erfahrung. Dazu eloquent, mit dem besonderen Gespür für Dramaturgie und Pointe, des Numburger Platts mächtig und mit kräftiger Stimme ausgestattet.

Themen an der Theke

Kuriose Begebenheiten, die er dann in Reimform für sein Sichedippen aufarbeitete, gab es genug. „Früher habe ich die Themen an der Theke in der Kneipe erfahren“, erzählt Joachim Jacobi, von den Naumburgern kurz „der Jo“ genannt. In den vergangenen zehn Jahren, als er zunächst Abteilungsleiter im Kultusministerium und dann sechs Jahre Staatssekretär war, schickten ihm die Naumburger die Anekdoten, die dann das Sichedippen füllten, meist per Mail.

Niemanden bloßstellen

Zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel wurde zunächst sortiert. Jacobi: „Ich wollte nie jemanden bloßstellen. Es war mir wichtig, dass die Betroffenen selber mitlachen konnten.“ Dann wurde getextet. Pünktlich zur ersten Fremdensitzung im Januar war der 30- bis 40-minütige Programmpunkt fertig. „Ich habe mich dann jedes Mal gefreut, es endlich vortragen zu können“, erzählt Jacobi.

Am kommenden Samstag während der Sitzung zum 77. Geburtstag der Naumburger Karnevalsgesellschaft wird er das Beste aus den vergangenen drei Jahrzehnten präsentieren. Den Blick auf 2010 wird in der ersten Fremdensitzung sein Nachfolger werfen. Wer das sein wird, das weiß derzeit auch Jo Jacobi nicht.

Dem Karneval treu

Gut 30 Minuten wird sein Abschiedssichedippen dauern. „Da ist sicher auch etwas Wehmut dabei, aber das halte ich aus“, sagt er grinsend. Dem Karneval werde er treu bleiben, versichert Jo Jacobi. In die Bütt, mit Narrenkappe und dem schwarzen Gehrock, der von seinem Opa stammt, werde er nicht mehr steigen.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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