Heinrich Schwarz besitzt alte Familiendokumente und zeigt ein Stück Geschichte

Schatz aus dem Jahr 1590

Sehr wertvoll: Heinrich Schwarz hält in seinen Händen den Kaufvertrag der Kunstmühle seiner Vorfahren aus dem Jahre 1720. Fotos: Uminiski

Habichtswald. Heinrich Schwarz hält in seinen Händen einen sehr kostbaren Schatz - seine Familienchronik. Seit 1590 wird diese von seinen Vorfahren akribisch geführt. Die rund 350 Seiten machen deutlich, was viele nicht wissen.

„Manchmal sagen die Leute, warum wir dort hin sind - dabei war Tepl vor dem Krieg deutsch“, sagt der 85-jährige Dörnberger. Und genau das bezeugt auch seine Familienchronik, die in deutscher Sprache verfasst ist. „Das Gebiet von Marienbad bis Prag war ursprünglich deutsches Gebiet“, sagt Heinrich Schwarz.

Wie ein Krimi hört sich die Geschichte von Heinrich Schwarz und seiner Familie aus dem tschechischen Tepl an, die ihren gesamten Besitz verloren hat und aus ihrer Heimat vertrieben wurde. „Jeder durfte nur einen Koffer mit alten Sachen mitnehmen“, erinnert sich Heinrich Schwarz. „Zu unserem Betrieb gehörte auch eine Schreinerei. Die haben dort eine Kiste mit doppeltem Boden gebaut. Dort haben wir unsere Dokumente versteckt.“ Nur so konnten die kunstvoll verzierte Familienchronik, der Kaufvertrag der Mühle aus dem Jahr 1720 und noch andere wichtige Dokumente nach Deutschland gerettet werden.

Nachdem Heinrich Schwarz und seine Familie ihre Kunstmühle und den gesamten Besitz verloren hatten, fuhren sie bis zu ihrer Aussiedlung 1946 noch mit dem Lkw Mehl nach Marienbad oder Häftlinge nach Pilsen. „Die Rückfahrt aus Pilsen musste ich manchmal alleine ohne die bewaffnete Begleitung machen“, sagt der 85-Jährige. „Das war sehr gefährlich.“ Deutsche, die nur den Anschein machten zu fliehen, wurden gefangen genommen oder sofort erschossen. „Als ich mit 18 Jahren hier nach Deutschland kam, hatte ich einen weißen Streifen am Hinterkopf, weil ich so viele Ängste durchgestanden hatte“, sagt der Dörnberger.

Familie belieferte Marienbad

Die in Leder gebundene Familienchronik zeigt, dass Familie Schwarz bereits seit 1590 die Mühle gepachtet und 1720 vom Prämonstratenser Orden gekauft hatte. Die Familie belieferte den Kurort Marienbad, der regelmäßig vom englische König Edward VII. oder den Maharadschas besucht wurde.

Die Mühle wurde nicht wie üblich mit Wasserrädern, sondern mit Turbinen betrieben. „Wir waren ein vollautomatischer Betrieb“, betont Heinrich Schwarz. Damit gehörte die Mühle der Familie Schwarz zu den modernsten dieser Zeit.

Quelle: HNA

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