Zwischen Obergrenzebach und Seigertshausen

Die Scherben eines Dorfes: Spuren einer vergangenen Zeit

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Bücklingsmühle: Scherben fand Georg Blumenauer zwischen Obergrenzebach und Seigertshausen. Sie deuten auf die Wüstung Gersdorf hin. Johannes Hoos (rechts) hat einen historischer Wetterhahn auf seiner Scheune in Obergrenzebach, er stammt vermutlich aus der mittelalterlichen Siedlung.

Obergrenzebach. Seit knapp 20 Jahren vermutete Georg Blumenauer eine Siedlung zwischen Obergrenzebach und Seigertshausen. Im Dezember vergangenen Jahres fand er Scherben, Lehmreste von Fachwerkhäusern und schwarze Verfärbungen des Erdreichs in der Nähe der Bücklingsmühle.

Das sind Hinweise, dass dort im Mittelalter die Wüstung Gersdorf stand.

Bereits 2000 hatte sich Hobbyarchäologe Georg Blumenauer auf den Weg nach Obergrenzebach gemacht. Ein historischer Kirchenschlüssel aus Gersdorf war damals im Museum der Schwalm aufgetaucht. Vor 14 Jahren hatte Blumenauer noch nichts gefunden, was auf ein ehemaliges Dorf an der Grenzebach hinweist. Als er nach Weihnachten sah, dass das Feld frisch gepflügt war, macht sich der Riebelsdorfer erneut an die Arbeit.

Zwei Stunden dauerte seine Suche, dann war für den 68-Jährigen klar: An dieser Stelle befand sich die Siedlung. Das Dorf ist auch auf historischem Kartenmaterial dort eingezeichnet, damals lag es direkt am Weg von Alsfeld nach Homberg. Noch heute sind Basaltreste der Straße im Feld zu finden. Das Stück Land war lange Zeit eine Wiese, erst seit 20 Jahren dient es als Feld. Die Reste der Siedlung sind so noch nicht tief ins Erdreich eingepflügt worden. „Das sieht in 100 Jahren ganz anders aus“, weiß Blumenauer.

„Urkundlich wurde Gersdorf das erste Mal 1197 erwähnt“, sagt er. Das Dorf habe fünf bis sechs Höfe umfasst. Blumenauer vermutet, dass es dort bereits in der Eis- und Jungsteinzeit eine Siedlung an dieser Stelle gegeben haben könnte. Er fand Scherben und einen Klinge aus dieser Zeit.

1522 existierte Gersdorf bereits nicht mehr. Das lässt sich anhand von Dokumenten, Scherben sowie Verfärbungen des Erdreichs begründen. Ein Brand muss das Dorf damals zerstört haben. Die Bewohner gingen nach Obergrenzebach, das lässt sich anhand der Besitzverhältnisse nachweisen.

Anfang des 20. Jahrhunderts gehört der Grund der ehemaligen Siedlung den Großeltern von Johannes Hoos. Der Obergrenzebacher Landwirt weiß aus Erzählung seines Großvaters, dass eine kleine Erhebung auf dem Feld „Wüste Kirche“ heißt. Dort befand sich die Kirche von Gersdorf, Ziegelreste zeugen noch heute von dem Standort.

Ein Überbleibsel der mittelalterlichen Siedlung ist noch heute in Obergrenzebach zu finden. Die Scheune von Johannes Hoos schmückt ein Wetterhahn. Er befand sich früher vermutlich auf dem Kirchturm der Wüstung. Gefunden hatte ihn Familie Hoos 1910, als auf dem Gelände eine Koppel angelegt wurde. „Es ist ein sehr schönes geschmiedetes Stück“, sagt der Landwirt über seinen historischen Wetterhahn. So lebt ein Stück der verlorenen Siedlung noch heute weiter.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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