Stopp am Bau

Schikanen belasten Nachbarn: Anwohner von Breslauer Straße in Schwalmstadt wehren sich weiter gegen Neubau

Wartet auf den Gerichtstermin: Seit mehr als einem Jahr gibt es Ärger um diesen Neubau an der Breslauer Straße. Nachbar Jens Neubert klagt gegen die Bauherren.
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Wartet auf den Gerichtstermin: Seit mehr als einem Jahr gibt es Ärger um diesen Neubau an der Breslauer Straße. Nachbar Jens Neubert klagt gegen die Bauherren.

Familie Neubert aus Treysa kommt nicht zur Ruhe: Seit mehr als einem Jahr kämpft die Familie gegen den Neubau eines Mehrfamilienhauses auf dem Nachbargrundstück in der Breslauer Straße.

Treysa – Dort entstehen elf Wohnungen in einem immens hohen Bau, umgeben von kleinen Einfamilienhäusern. Die Familie wie auch viele Nachbarn sind überzeugt, dass die Bauherren die Pläne nicht rechtmäßig umsetzen. Nun hat der Kreis abermals einen Baustopp verfügt. Seit vergangenem Jahr läuft ein Rechtsstreit gegen die Bauherren. Der Rechtsanwalt der Familie hatte Klage eingereicht, mittlerweile beschäftigt sich der 4. Senat des Verwaltungsgerichtshofes mit dem Fall. Hierzu gab es zuletzt eine Ortsbegehung, bei der sich drei Richter ein Bild von der Baustelle verschafft haben. Die Familie wartet nun auf die Hauptverhandlung.

Schikanen belasten Nachbarn: Haus bereits teilweise bewohnt

Was erstaunt ist, dass der unfertige Bau bereits teilweise bewohnt ist: Mehrere Wohnungen sind laut der Nachbarn vermietet, wenngleich am Gebäude selbst noch gebaut wird. Außenanlagen wie Parkplätze sind noch nicht fertiggestellt. Was ebenfalls verwundert ist die Tatsache, dass die Dachentwässerung des Baus bis heute nicht an den Kanal angeschlossen sein soll. Zu all dem wollen sich die Bauherren auf HNA-Anfrage nicht äußern. Klar ist, dass der Rechtsstreit nicht spurlos an der Familie vorbei geht: Jens Neubert musste sich bereits in der Hephataklinik wegen eines neurologischen Problems behandeln lassen. Die Ärzte haben ihn gewarnt. Der Auslöser: Stress. Auch wenn man es dem 52-Jährigen nicht direkt anmerkt, er für die Familie da sein will, die ewigen Dispute mit den Bauherren – auch persönlich, von Grundstück zu Grundstück – belasten die Familie stark.

Mittlerweile berichten die Treysaer auch von Schikanen. „Die Bauherren haben eine Kamera installiert, die auf unseren Hof, die Haustür und den Eingangsbereich gerichtet war“, erzählt Neubert. Eines Abends habe er nach einem Gespräch mit den Nachbarn die Kamera vom Bürgersteig in Richtung des Neubaus gedreht. Nur zehn Minuten später habe die Polizei bei ihm geklingelt, „wegen Sachbeschädigung“. Der Bauherr soll am besagten Abend ebenfalls mit dabei gewesen sein und habe per Handy beweisen wollen, dass Neuberts die Kamera gedreht haben.

Schikanen belasten Nachbarn: Verhärtete Fronten

Auch von einer abgespielten Aufzeichnung ihrer Stimmen berichtet die Familie. „Das geht gar nicht. Dagegen haben wir Strafanzeige gestellt.“ Passiert sei bislang nichts. Die Fronten scheinen verhärtet – bis heute haben die Bauherren kein Vergleichsangebot gemacht. Darauf hatten die Richter des Verwaltungsgerichtshof abermals beim Ortstermin hingewiesen. „Wir haben kein Angebot bekommen – auch wenn die Bauherren das anders darstellen“, sagen Neuberts. Rückhalt kommt aus der Nachbarschaft: 17 Anwohner haben mit ihrer Unterschrift erklärt, dass der Bau aufgrund seiner immensen Höhe „die gewachsene Gebietsstruktur“ zerschlage und sich damit auch die Werthaltigkeit ihrer Häuser und Grundstücke gravierend negativ verändere.

Trotz der Baueinstellung Ende August wird ganz augenscheinlich weitergebaut: Ein angedrohtes Ordnungsgeld ist laut Tanja Neubert wohl bereits schon gezahlt worden. „Zehn Mal war die Polizei in den vergangenen Wochen sicher schon hier – aber dann wird hier halt fix alles eingepackt.“ Kämpfen wird die Familie aber weiter. Und hofft auf einen baldigen Verhandlungstermin.

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