Brief wandert in die Tonne

Aufruf zur Spende: Kirche lässt schimmelbelastete Kita links liegen

Brief von der Kirchengemeinde: Andreas und Manuela Klatt mit dem Schreiben des Kirchenvorstands, der um eine Spenden für drei ausgewählte Projekte bittet – Reparaturen am Haus der Begegnung, Sanierung der Heizung in der Kirche und die ökumenische Flüchtlingsarbeit. Der von Schimmel befallene Kindergarten (Hintergrund) ist nicht berücksichtigt. Foto:  Sommerlade

Wettesingen. Der Brief der Evangelischen Kirchengemeinde Wettesingen trieb den Blutdruck von Andreas Klatt arg in die Höhe. Auf zwei Seiten werden die Mitglieder der Kirchengemeinde zum Spenden für drei Projekte aufgerufen. Allerdings nicht für die Sanierung des unter Schimmelbefall leidenden Kindergartens.

Dabei war gerade erst im Spätsommer der Schimmelbefall und die damit verbundenen Gefahren für die Gesundheit der Kinder und der Betreuerinnen der Aufreger im Breunaer Ortsteil (wir berichteten). Andreas Klatt und seine Frau Manuela - Sohn Matthis besuchte bis zum Sommer die betroffene evangelische Kita in Wettesingen - hatten sich seinerzeit gemeinsam mit anderen Eltern vehement für eine umfassende Sanierung eingesetzt, auch dafür, dass die mikrobiologischen Gutachten den Eltern uneingeschränkt zugänglich gemacht werden. Und das ist ihr Anliegen bis heute.

Die Klatts schrieben als Reaktion auf den „Bettelbrief“ umgehend an Pfarrerin Monika Vöcking und die übrigen Mitglieder des Kirchenvorstandes,und machten ihr Unverständnis deutlich. „Für den seit Jahren mehr als sanierungsbedürftigen Kindergarten und dessen Außenanlagen und Spielgeräte werden alle Kosten und Mühen“ vom Kirchenvorstand gescheut. Den Spendenaufruf habe man darum zerissen und im Papiermüll entsorgt.

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Man könne auch gezielt für die Kindergartensanierung spenden, sagt Pfarrerin Vöcking, ein Hinweis auf dem Überweisungsträger genüge. Die Vorbereitung des Spendenaufrufs habe einen „zeitlichen Vorlauf“ gebraucht, „dem ist es geschuldet, dass die akute Entwicklung des Kindergartens keine Berücksichtigung fand“, so die Pfarrerin weiter. Es sei keinesfalls so, dass man die Kita-Problematik für nicht wichtig befände. „Alle wünschen sich, dass es eine gute Lösung geben wird.“

In diesem Punkt ist man sich einig mit den Klatts. Die sind allerdings weiter extrem schlecht zu sprechen auf den Kirchenvorstand und auch die Kindergartenleitung, da diesen seit mehr als zehn Jahren bekannt gewesen sei, dass das Haus ein Feuchtigkeitsproblem habe. Die Eltern hätten die ganze Sache aber erst von der Architektin erfahren, die 2013 den Umbau für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren vorbereitet.

Druck der Eltern

Letztlich sei es dem Druck der Eltern, aber auch der Vermittlung durch Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann zu verdanken, dass nun etwas getan werde, so Andreas Klatt.

Tatsächlich ist der Kita-Betrieb erstmal verlegt worden. Ein Teil der Kinder wird im Evangelischen Gemeindehaus betreut, der andere im katholischen Gemeindezentrum. Ein neues Architekturbüro ermittelt derzeit, woher die Feuchtigkeit in der Kita kommt und was dagegen zu tun ist.

Von Norbert Müller

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Quelle: HNA

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