Festung und Schützenverein werden 475 Jahre alt – Bürgergarde spielte im Dreißigjährigen Krieg große Rolle

Die Schlacht bei Riebelsdorf

Schlachtaufstellung 1641: Mit bei der Schlacht bei Riebelsdorf war auch die Ziegenhainer Bürgerwehr unter ihrem Kommandanten Velten Muhly. Repro: Grede 

Ziegenhain. Nachdem schon um die Wende 1500 die Stadt Ziegenhain mit Wällen und Rondellen umgeben wurde, ließ Landgraf Philipp der Großmütige sie 1537 bis 1543 systematisch zu einer Festung ausbauen. Heinz von Lüder, ein erfahrener und treuer Gefolgsmann des Landgrafen, beaufsichtigte den Ausbau und war ihr erster Kommandant.

1539 begründete er dann die Bürgergarde aus den ca. 130 in der Stadt und Vorstadt ansässigen Haushalten (Handwerker, Händler und Verwaltungsbeamte). Aufgabe dieser Bürgergarde war der Schutz der Festung in Friedenszeiten, denn zunächst war in Ziegenhain keine Truppe stationiert. Für diesen Dienst wurden die Bürger mit Häusern im Festungsbereich belehnt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Schwalm von den kaiserlichen Truppen mehrfach heimgesucht und gebrandschatzt. Reinhold von Rosen mit seinen weimarischen Truppen etablierte sich 1640 in Treysa, schlug zum Jahresende einen Überrumpelungsversuch der Kaiserlichen zurück, siedelte aber dann 1641 in die Nähe von Obergrenzebach um. Der Feldmarschall-Leutnant Johann Ludolf von Bredow (Breda) versuchte im November 1641, von Alsfeld und Neukirchen kommend, die Rosenschen Stellungen zwischen Riebelsdorf und Obergrenzebach anzugreifen, hatte aber wenig Erfolg. Dafür vernichtete er auf grausame Weise die Dörfer Ransbach, Loshausen, Zella, Leimbach und Salmshausen.

Am 15. November schließlich versuchte er Ziegenhain zu stürmen. Auf die Tür seines Quartiers schrieb er: „Heute in Bornhansens Haus – morgen in Weichhaus“, der Vorstadt Ziegenhains.

Auf der Riebelsdorfer Anhöhe stellten sich ihm die Rosenschen Regimenter und die Bürgergarde der Festung Ziegenhain unter ihrem Kapitän Velten Muhly entgegen. Eine Kugel traf ihn und als er vom Pferd stürzte, lösten sich seine Truppen auf und flohen Richtung Schrecksbach. Er selbst wurde nach Ziegenhain-Weichhaus gebracht und vor dem Rathaus öffentlich aufgebahrt. Nach der Legende stammte der tödliche Schuss von Velten Muhly, der in Ziegenhain in der Stadt und auch bei dem Festungskommandanten hohes Ansehen genoss. 1843 errichtete die Ziegenhainer Bürgerschaft auf der Anhöhe vor Riebelsdorf an der heutigen B 454 zwei Obelisken, die Muhly und Breda gewidmet sind.

Nach der Annektion Kurhessens durch Preußen wurden 1867 die Bürgergarden aufgelöst. Die Mitglieder der Ziegenhainer Garde schlossen sich dann zum Schützenverein zusammen.

Von Wilhelm May

• Anlässlich des 475-jährigen Jubiläums der Ziegenhainer Festung wird auch der Ziegenhainer Schützenverein auf seine Gründung vor 475 Jahren zurückblicken. Beim stehenden Festzug am Sonntag, 11. Mai, werden sich die Mitglieder in einer historischen Szene mit den beiden Kontrahenten der Schlacht bei Riebelsdorf – Breda und Muhly – befassen.

Quelle: HNA

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