Nach Geschwindigkeitsmessung Attacken auf Polizisten – Geldstrafe für 43-Jährige

Schläge nach zu schneller Fahrt

Schwalm. 1350 Euro Strafe waren die Folgen einer Geschwindigkeitsübertretung für eine 43-jährige Frau aus dem Altkreis Ziegenhain. Enorm – trotzdem kam sie bei ihrer Berufungsverhandlung vor dem Marburger Landgericht noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Erstinstanzlich war sie im August vergangenen Jahres mit 1800 Euro vom Amtsgericht Schwalmstadt noch härter bestraft worden. Im August 2010 war die Frau in Gilserberg in einer Tempo 30-Zone zu schnell gefahren und geblitzt worden.

Aus Verärgerung darüber war sie anschließend zur Messstelle zurückgekehrt und hatte ihr Fahrzeug dort so geparkt, dass an dieser Stelle weitere Geschwindigkeitsmessungen nicht mehr möglich waren. Nach einer Verlegung der Messstation an eine andere Stelle hatte sie ihr Fahrzeug erneut im Messbereich des Gerätes so abgestellt, dass auch dort weitere Kontrollen unmöglich wurden.

Als einer der beiden nichtuniformierten Polizisten sie deswegen zur Rede stellen wollte und zur Feststellung ihrer Personalien um ihren Ausweis bat, war die 43-Jährige nach Zeugenaussagen sofort aggressiv geworden und hatte versucht, den Angestellten mit Schlägen von ihrem Auto abzudrängen.

Mit der Faust ins Gesicht

Dabei hatte die Frau angeblich einen der beiden Männer sogar mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Dass sie die Messungen bewusst behindert habe, bestritt die Frau nicht. Ihre Schläge seien allerdings Notwehr gewesen, weil der Ordnungspolizist sie in der Fahrertür eingeklemmt habe, erklärte die resolute Frau. Ein solches Verhalten habe er in seiner 22-jährigen Dienstzeit noch nicht erlebt, berichtete einer der beiden als Zeuge geladenen Ordnungspolizisten.

Bereits bei der ersten Berufungsverhandlung im Dezember vergangenen Jahres hatte Richter Wolf Winter auf Grund der erdrückenden Beweislage der schriftlich vorliegenden Zeugenaussagen versucht, der Angeklagten eine „goldene Brücke“ zu bauen und ihr bei einem Geständnis eine Strafmilderung in Aussicht gestellt.

Dem hatte die temperamentvolle Frau nicht zugestimmt und anschließend wutentbrannt wegen ihrer angeblich ungerechten Behandlung den Gerichtssaal verlassen. Diesmal hatte das Gericht alle acht Zeugen geladen, die aber, soweit sie gehört wurden, ihren schriftlichen Aussagen nichts hinzuzufügen hatten.

Erneut versuchte der Richter der Frau die berühmte goldene Brücke zu bauen, die sie zunächst allerdings wiederum ablehnte. Erst nach einer Verhandlungsunterbrechung und einem persönlichen Gespräch im Dienstzimmer des Richters, im Beisein der Schöffen und des Staatsanwaltes, wurde sie einsichtig und legte ein Geständnis ab.

Dies gab dem Richter die Möglichkeit, ihr Strafmaß von ursprünglich 120 auf 90 Tagessätze zu je 15 Euro zu reduzieren.

Mit „Tschüss, ich sage nicht auf Wiedersehen“, verabschiedete sich die Frau schließlich aus dem Gerichtssaal. (zaw)

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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