Prozess um Diskoschlägerei: Zeugen schweigen

Stadtallendorf/Marburg. Auch der zweite Verhandlungstag eines Prozesses zum Tatvorwurf einer schweren Körperverletzung vor dem Marburger Jugendschöffengericht und die Vernehmung von zwölf weiteren Zeugen brachte wenig neue Erkenntnisse.

Angeklagt waren drei junge Männer aus Neustadt und Stadtallendorf, die am 14. März 2010 bei einer Schlägerei in einer Stadtallendorfer Diskothek einem 31-jährigen ehemaligen Dachdecker so massive Verletzungen zugefügt haben sollen, dass dieser neben einem Jochbein- und Nasenbeinbruch sein linkes Auge verlor.

Die Zeugen wiesen Erinnerungslücken auf, konnten oder wollten zu den Umständen, welche die Schlägerei ausgelöst und zu den schweren Verletzungen des Opfers geführt hatten, nur wenig oder nichts sagen. Teilweise wichen die Aussagen vor Gericht auch von den bei den polizeilichen Vernehmungen erstellten Protokollen in erheblichem Maße ab. Während der Verhandlung wurde ein anderer Tatbeteiligter aus den Reihen der drei Angeklagten bezichtigt, die Schläge mit einem Aschenbecher ausgeführt zu haben, die zum Verlust des Auges bei dem Opfer geführt haben sollen.

Täter an Pulli erkannt

Er habe den Täter an seinem blau-weiß gestreiften Pulli erkannt, so der Zeuge. Dieser mutmaßliche Täter hatte aber, nach anderen Zeugenaussagen bei der letzten Verhandlung, bereits bevor der Geschädigte auf dem Boden lag mit einem Stuhl zugeschlagen. Ein anderer Zeuge berichtete, nicht der Angeklagte sondern das Opfer habe zuerst mit einem Stuhl geschlagen.

Der Angeklagte habe sich mit einem Stuhl nur verteidigt. Ein weiterer Zeuge gab an gesehen zu haben wie einer der drei Angeklagten mit der Faust auf das am Boden liegenden Opfer eingeschlagen habe. Erschwert wurde die Verhandlung durch die mangelnden Deutschkenntnisse mehrerer Zeugen, was die langwierige Übersetzungen notwendig machte. Bei den Vernehmungen bei der Polizei war kein Dolmetscher hinzugezogen worden.

„Ich habe das, was ich dort gefragt wurde verstanden, aber nicht zu 100 Prozent“, betonte ein türkischstämmiger Zeuge. Auch der Beamte aus der Ermittlungsgruppe der Stadtallendorfer Polizeistation sprach von schwierigen Ermittlungen.

„Immer wieder höre ich: Weiß ich nicht, habe ich nicht gesehen, habe gerade weggeschaut, es war dunkel, es ist schon so lange her oder die Zeugen haben sich gerade als etwas passierte wie von Zauberhand weggedreht“, kommentierte Richter Cai Adrian Boesken verärgert die Aussagen der Zeugen. Wie in der ersten Verhandlung begründeten diese ihre Erinnerungslücken mit dem langen Zeitabstand zur Tat, dem Alkoholgenuss und den Lichtverhältnissen in der Disco.

Die Jugendgerichtshilfe attestierte dem jüngsten Angeklagten, der zur Tatzeit gerade 20 Jahre gewesen war, ein noch unreifes Verhalten und beantragte für den Fall einer Verurteilung eine Jugendstrafe. Die Verhandlung geht am 21. Mai weiter. (zaw)

Quelle: HNA

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