Amtsgericht Schwalmstadt verurteilt 20-Jährigen

Schlag ins Gesicht wegen Aids-Gerücht

Schwalmstadt. Ein 20-jähriger Auszubildender aus dem Altkreis Ziegenhain ist jetzt vom Amtsgericht Schwalmstadt wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro verurteilt worden.

Der Vorsitzende Richter sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 22. Mai 2010 einen 18-jährigen Riebelsdorfer mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Das Opfer zog sich dabei Verletzungen an Ober- und Unterlippe zu und war laut eigener Aussage durch den anschließenden Aufprall mit dem Hinterkopf auf den Boden vorübergehend bewusstlos.

Grund für die Auseinandersetzung sollen Aussagen des Opfers im Bekanntenkreis des Täters gewesen sein, wonach dieser und seine Freundin an Aids erkrankt seien. „Mehrere Personen haben mir das erzählt“, sagte der 20-Jährige vor Gericht. Das habe er nicht auf sich sitzen lassen und das spätere Opfer deshalb am späten Abend auf einer Kirmes zur Rede stellen wollen. Als dieser sich nicht äußern wollte, habe er ihn gedrängt und schließlich einen „Klaps“ gegeben: „Ich wollte ihm nur eine leichte Backpfeife versetzen“, sagte der Täter vor Gericht. Was dann passiert sei, täte ihm leid und er hätte sich beim Opfer auch schon entschuldigt.

Das 18-jährige Opfer widersprach diesen Aussagen. Er habe nie behauptet, dass der Angeklagte oder seine Freundin Aids hätten. Er habe dies dem Täter an diesem Abend auch erklärt, „aber der hat mir anscheinend nicht geglaubt.“ Er könne sich jedoch an einen Schlag mit der Faust und nicht mit der offenen Handfläche erinnern.

Entschuldigung per SMS

Eine Entschuldigung habe er jedoch noch am selben Abend per SMS erhalten. Vorher habe es nie Probleme zwischen ihnen gegeben. Sie kannten sich schon einige Zeit, Freunde seien sie jedoch nicht gewesen. Am besagten Abend habe der Täter einen normalen Eindruck gemacht.

Laut Aussage des Täters vor Gericht und bei der Polizei, hatte dieser im Laufe des Tages bis zu sechs Schnäpse und 20 Gläser Bier getrunken. Betrunken sei er zur Tatzeit jedoch nicht gewesen, nur ein bisschen „beschwingt“ und sauer über die verbreiteten Aids-Gerüchte.

Schläge sind „jugendtypisch“

Der Richter sah im Verhalten des Angeklagten ein „jugendtypisches Verhalten“. Allerdings könne er froh sein, dass keine Zähne verletzt wurden. „Sonst hätten sie Post von der Krankenkasse des Opfers bekommen“, sagte er in Richtung des Täters. Er folgte in seinem Urteilsspruch den Vorgaben der Staatsanwaltschaft. Diese hatte wegen vorsätzlicher Körperverletzung auf eine Verwarngeld in Höhe von 400 Euro plädiert: 200 Euro als Spende für eine gemeinnützige Einrichtung, 200 Euro Schmerzensgeld für das Opfer.

Der Verurteilte nahm das Urteil an und will wie die Staatsanwaltschaft auf weitere rechtliche Maßnahmen verzichten.

Von Jörgen Camrath

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare