Schleifen für die alte Erpe

Hochwasserschutz: Stadt investierte rund 700 000 Euro

Mit schwerem Gerät modelliert: Stephan Schmidt, im Wolfhager Rathaus für den Gewässerschutz zuständig, an der Erpe bei Altenhasungen auf Höhe der Firma Hammerlindl. Fotos:  Norbert Müller

Altenhasungen. Das Areal sieht aus, als habe sich eine riesige Flutwelle ausgetobt und alles mitgerissen, was sich ihr in den Weg stellte. Kein Baum und kein Strauch steht mehr, nur nackte Erde und der einzelne Stumpf einer Weide. Mittig in der braunen Schneise rinnt das Wasser der Erpe.

Hier, am Ortsrand von Altenhasungen, hat sich kein Hochwasser talwärts gewälzt. Mit schwerem Gerät wurde auf der stadteigenen Wiese eine Menge Erde bewegt, um den Wolfhager Stadtteil vor künftigen Fluten zu schützen.

Mehr Platz fürs Wasser: Nach Starkregen hat die Erpe nun mehr Raum, um sich auszubreiten. In der Bildmitte sind die Stämme eines Totholzfangs zu sehen.

Die Fäden für das Projekt laufen bei Stephan Schmidt zusammen. Er ist im Wolfhager Bauamt unter anderem für den Gewässerschutz zuständig. Entlang der Erpe und auch am Linsebach bei Wenigenhasungen habe man bereits fünf von aktuell acht Projekten zum Hochwasserschutz fertiggestellt. Insgesamt lässt sich die Stadt die Maßnahmen zum Schutz der Menschen im Erpetal gut 700 000 Euro kosten, erklärt Schmidt. Und man hätte gerne noch mehr getan, aber es fehlte an Grundstücken. Gebaut wird nämlich nur auf stadteigenen Flächen. „Alle wollen Hochwasserschutz“, sagt Schmidt, aber Flächen wolle keiner zur Verfügung stellen.

„Wir haben dem Bach soviel Raum wie möglich gegeben.“

Bei Altenhasungen hat es geklappt, die Stadt konnte die Fläche erwerben und mit den Arbeiten beginnen. „Das Ganze läuft unter Renaturierungsmaßnahmen“, erklärt der Mann vom Bauamt. Pufferflächen wurden geschaffen, durch Aufweitungen hat das Wasser Platz, sich auszubreiten. Im Grunde habe man nichts anderes gemacht, als dem Bach seine alte Freiheit wieder zu geben. Schleifen wurden in den Boden modelliert, die viel mehr Wasser aufnehmen, als die schmalen Rennstrecken, die bei den künstlichen Begradigungen in der Vergangenheit entstanden.

Diese Schleifen sollen künftig ihren Beitrag dazu leisten, dass nach Starkregen während heftiger Gewitter die Erpe nicht zu einem reißenden Fluss wird, der Grasschnitt, Gehölze und Planen bis zu den Brücken im Dorf spült, wo das Treibgut die Durchflüsse blockiert. Ende der 90er-Jahre und 2002 gab es solche Situationen mit der Folge, dass innerorts landunter war.

„Wir haben dem Bach soviel Raum wie möglich gegeben“, bringt es Schmidt auf den Punkt. Und bevor Treibgut an den Brücken hängenbleibt, wird es künftig an Rechen aus Eichenstämmen aufgefangen.

Am Hochwasserschutz werde die Stadt Wolfhagen weiter arbeiten. Stephan Schmidt: „Wir werden das auch in Zukunft machen, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet.“

Wo es jetzt noch wüst aussieht, wird im Frühjahr, wenn eine Feuchtwiesen- und Ufersaat-Mischung ausgebracht wurde, saftiges Grün sprießen. Eine Spielwiese für die aus ihrem alten Korsett befreite Erpe.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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