Sie schlichten bei Streit: Fahrbegleiter an der Wilhelm-Filchner-Schule

Ansprechpartner in brenzligen Situationen: Die neuen Fahrbegleiter der Wilhelm-Filchner-Schule stellen sich ihren Mitschülern auf Plakaten vor, die in der Schule aufgehängt werden. Fotos: zhf

Wolfhagen. Jeden Tag ist es das Gleiche. Kaum steht der Schulbus bereit, beginnt das Drängeln und Schubsen. Jeder will als Erster rein, da kann es zwischen Bürgersteig und Fahrzeug schon mal gefährlich eng werden.

Janek Ehrhard und Felix Gulda kennen derartige Situationen genau, fahren sie schließlich selbst Tag für Tag mit dem Bus in die Wilhelm-Filchner-Schule - Janek von Bründersen aus, Felix von Balhorn. „Das ist vor allem für kleinere Kinder ein Problem“, sagt Felix, der künftig ein Auge auf derartige Situationen haben wird.

Gemeinsam mit Janek und neun weiteren Mitschülern hat er sich gerade zum Fahrbegleiter ausbilden lassen und weiß, dass da mehr auf ihn zukommen kann als eine vermeintlich harmlose Schubserei. Schnell kann aus einem kleinen Streit eine ausgewachsene Schlägerei werden, bei der im Extremfall sogar Waffen im Spiel sind. „Dann ist es wichtig, dass wir Ruhe bewahren und schnell den Busfahrer zu Hilfe holen“, sagt Felix, der dennoch keine Angst vor Eskalation hat. „Durch mein Kampfsport-Hobby weiß ich mich zu verteidigen, hoffe aber, dass es nie so weit kommt.“

Grundsatz aller Fahrbegleiter sei: Helfen? Ja. Selbst in Gefahr bringen? Nein. Daher war das richtige Einschätzen von potenziellen Gefahrensituationen auch ein besonders wichtiger Baustein der Ausbildung. „Manchmal ist es sogar besser, überhaupt nicht aktiv zu werden, vor allem dann, wenn es sich um Lappalien handelt“, sagt Janek, der dank der Ausbildung nun weiß, dass ein verfrühtes Einschreiten eine Problemsituation sogar zusätzlich anfachen kann, statt sie zu beenden.

„Fahrt wird stressfreier“ 

Janek, Felix und ihre Freunde sind eben Experten im Bereich Konfliktbewältigung und Streitschlichtung, „etwas, was sie nicht nur im Bus oder in der Bahn benötigen, sondern auch für den Rest ihres Lebens“, sagt Landrat Uwe Schmidt (SPD), der den Siebtklässlern am Montag nicht nur Zertifikate, sondern auch einen Ausweis überreichte, der sie offiziell zu Fahrbegleitern macht.

Schmidt: „Das Engagement der Schüler ist beispielhaft und führt dazu, dass die Fahrt von und zur Schule in Bussen und Bahnen für Nutzer und Fahrer stressfreier wird.“ Die von der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) pro organisiertem Lehrgang entstehenden Kosten von rund 5500 Euro trage der Landkreis daher gern.

Dass sich Schüler wie Janek und Felix freiwillig in der Gewaltprävention engagieren, freut auch Polizeihauptkommissar Oliver Kranki, der im Polizeipräsidium Nordhessen zuständig ist für Präventionsarbeit. „Das Bild, das heute oft von Jugendlichen gezeichnet wird, ist falsch. Ihr seid das beste Gegenbeispiel“, lobt er die Zivilcourage der jungen Fahrbegleiter. „Wer wegschaut, macht sich mitschuldig - aber ihr schaut hin!“

Quelle: HNA

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