"Wie ein Sechser im Lotto"

Die Schlüssel zu seinem neuen Leben: Obdachloser fand Wohnung und Arbeit

Stolz: Peter Küchmann hält den Schlüssel zu seiner eigenen Wohnung in der Hand. Foto: Müller

Homberg. Ein Teufelskreis: Besitzt man keine Wohnung, kann man kein Konto eröffnen. Ohne Konto keine Arbeit, bei der man Geld verdienen könnte. Ohne Geld jedoch keine Wohnung. Peter Küchmann aus Homberg aber hat es geschafft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Mit Hilfe der Diakonie fand der 49-Jährige wieder eine Wohnung und sogar Arbeit.

Seine Wohnung verlor Peter Küchmann durch die Trennung von seiner Frau. „Die Wohnung war für mich allein nicht mehr finanzierbar“, sagt Küchmann. Bei Freunden konnte er nicht unterkommen, lebte nach dem Wohnungsverlust vier Monate in einer Notunterkunft in Fritzlar. „Ich hatte nur ein Zimmer mit einer Dusche. Eine Küche hat es nicht gegeben und abschließen konnte ich das Zimmer auch nicht“, sagt Küchmann.

Als er aus der Notunterkunft ausziehen musste, versuchte Peter Küchmann zunächst eigenständig eine Wohnung zu finden. „Ich hatte aber einen Schufa-Eintrag, deswegen habe ich nirgends eine Wohnung mieten können.“ Als er sich dann an die Berberitze (siehe Hintergrund unten) wandte, habe er sofort Hilfe bekommen.

Grundlage der Unterstützung ist ein Hilfeplan, mit dem bestimmte Nahziele wie eine eigene Wohnung oder eine neue Beschäftigung abgearbeitet werden können. Kleine Schritte, die Betroffene alleine oder mit einem Betreuer gemeinsam bewältigen können.

Dank dieses Hilfeplans konnte der 49-jährige Küchmann schließlich doch eine Wohnung in Homberg finden. Denn die Diakonie tritt für die Wohnungssuchenden ein -- so kann eine Wohnung gemietet und an den Mieter übergeben werden, wenn dieser sich wieder eine Lebensgrundlage geschaffen hat. Sogar eine Arbeitsstelle hat Küchmann mit Hilfe der Berberitze gefunden: Täglich arbeitet er sechs Stunden im EinLaden in Homberg und verdient sich etwas Geld. Auch bei der Tafel hilft er ehrenamtlich mit und holt Nahrungsmittel bei den Supermärkten ab. „Ohne die Hilfe der Berberitze hätte ich das nicht geschafft. Ich habe mir meine ganze Existenz neu aufgebaut.“

Es sei zwar eine Geduldsprobe gewesen, aber die eigene Wohnung sei für ihn wie „ein Sechser im Lotto“: „Es hat lange gedauert, bis alles so war, wie ich es wollte. Aber ich habe jetzt einen Schlüssel und kann meine eigene Wohnung abschließen.“

Nun habe er alles, was er zum Leben brauche, nur die Türen seiner Wohnung müsse er noch streichen. Doch seine Freunde, die er bei der Arbeit im EinLaden kennengelernt hat, unterstützen ihn jetzt im Alltag. „Als ich obdachlos war, wollte außer meiner Familie niemand etwas mit mir zu tun haben. Jetzt habe ich Freunde, die mir immer helfen“, sagt Küchmann.

Unterstützung für Wohnungslose

Der Tagesaufenthalt der Berberitze bietet Betroffenen eine Basisversorgung. Sie können kochen, Wäsche waschen oder duschen. Er dient aber auch dazu, weitere Hilfen wie das Betreute Wohnen und Beratungsangebote anzubieten.

Das Betreute Wohnen hilft wohnungslosen Menschen bei Dingen wie dem Umgang mit Behörden, der Bewältigung von persönlichen und gesundheitlichen Problemen oder der Wiedereingliederung ins Berufsleben.

2014 haben das Betreute Wohnen insgesamt acht Männer in Anspruch genommen. Drei von ihnen konnten die Hilfe so für sich nutzen, dass sie nun eine eigene Wohnung, ein stabiles Umfeld sowie berufliche Perspektiven haben.

Quelle: HNA

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