Bei Bad Zwesten wurde fast ein ganzer Wald gefällt - Alles legal, sagt die Forstbehörde

Axt schlug gnadenlos zu

Bad Zwesten. Neulich stand da noch ein ganzer Wald. Wenn aber heute die Patienten der Bad Zwestener Hardtwaldklinik II aus dem Fenster schauen, sehen sie nur ein paar einzelne Bäume  – und ungezählte Holzstapel am Wegrand liegen.

„Da hat der Eigentümer seinen kompletten Wald ausgeräubert“, klagt ein Forstbesitzer aus der Region, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Mit regulärer Forstwirtschaft habe das nichts zu tun: „Wer ruiniert denn schon seinen eigenen Wald, indem er ihn komplett abholzt?“

Mehrere tausend Festmeter Holz seien auf einer 45 Hektar großen Fläche geschlagen worden, sagt der Waldinteressent. Er ist sicher: „Für die Natur ist das eine Katastrophe.“

Karl-Gerhard Nassauer, Leiter des Forstamtes in Jesberg, widerspricht dem nicht. Der Eingriff sei tatsächlich „unverhältnismäßig“, sagt er. Nassauer war bereits selbst in Bad Zwesten, hat sich ein eigenes Bild gemacht vom Wald.

Der wird übrigens gar nicht von Hessen-Forst betreut: „Wir würden nie in so großem Stil Holz auf einer so kleinen Fläche schlagen“, sagt Nassauer. „Nachhaltigkeit ist unser oberster Grundsatz: Wir entnehmen nicht mehr Holz als wieder nachwächst.“

„Jeder Waldbesitzer hat die Chance, seinen Forst zu vermarkten – und das ist legal geschehen.“

Michael Conrad Pressesprecher des RP

Der Forstbehörde habe sich sich deshalb die Frage gestellt, ob der jetzige Eigentümer – Privatbesitz hin oder her – überhaupt das Recht hatte, den Wald quasi komplett zu roden.

Die Antwort ist kurz und bündig: Ja, hatte er. „Der Wald sieht zwar schlimm und verwüstet aus – der Einschlag war aber ganz legal“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, wo die Obere Forstbehörde angesiedelt ist.

Natürlich hätte der Eigentümer „sensibler vorgehen“ können, doch habe er weder gegen ein Gesetz verstoßen noch gegen Interessen des Naturschutzes gehandelt. Zu diesem Ergebnis sei die Obere Forstbehörde gekommen, nachdem sie alle Umstände gründlich abgeklopft habe. Mit diesem Ergebnis sei der Fall abgeschlossen: „Jeder Waldbesitzer hat die Chance, seinen Forst zu vermarkten – und das ist ganz legal geschehen. Damit geht der Einschlag auch niemanden an“, sagt Conrad.

Allerdings verlange die Obere Forstbehörde nun einen Betriebsplan vom Eigentümer. Darin wird dann aufgelistet sein, wo und in welcher Menge welche Baumarten stehen. Der mache dem Eigentümer zwar Arbeit, sei aber doch sinnvoll: gute Forstwirtschaft, sagt Conrad, setze vor allem auf eines: auf Nachhaltigkeit. Damit ist er ganz auf der Seite von Karl-Gerhard Nassauer.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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