Hoffnung auf Schallschutz

Schluss mit der Ruhe: Züge brettern dicht am Fenster vorbei

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Können den Cantus-Passagieren zuwinken: Rüdiger Asmus mit Enkelin Angelina in seinem Garten in Beiseförth. Nur wenige Meter trennen die Sitzgruppe im Freien von den Gleisen. Das kleine Foto zeigt den Blick aus dem Küchenfenster auf die Gleise.

Beiseförth. So viel Freude hatten Elke und Rüdiger Asmus wohl noch nie an einer Ausgabe der HNA. Das Beiseförther Ehepaar las Anfang Juli in unserer Zeitung, dass die DB Netz in den Sommerferien die Bahnstrecke zwischen Beiseförth und Bebra sperren würde, weil dort viele Arbeiten anstünden.

Laut Pressemitteilung der DB Netz sollten dort im Juli und August Weichen und Gleise erneuert, Entwässerungsanlagen saniert und Schallschutzwände errichtet werden. Bei letzterem horchte die Familie Asmus auf, denn sie wohnt in Beiseförth direkt am Bahndamm - und wünscht sich deshalb seit Jahren kaum etwas sehnlicher als Schallschutzwände. Jetzt aber sind die Sommerferien längst vorbei, die Bauarbeiter haben sich auch verabschiedet und von Schallschutzwänden ist in Beiseförth weit und breit nichts zu sehen.

Als Rüdiger Asmus 1986 das Haus in der Grünen Straße in Beiseförth kaufte, wusste er natürlich, dass das Gebäude unmittelbar an der Hauptstrecke Kassel-Bebra liegt. Damals waren die Fenster einfach verglast, heute haben die Asmus’ nachgerüstet. Die Fenster sind allesamt dreifach verglast.

Schluss mit der Ruhe

Wenn sie geschlossen sind, ist auch alles gut. Wehe aber, das Beiseförther Ehepaar sitzt bei geöffnetem Fenster in Küche oder Wohnzimmer und unterhält sich: Dann machen die beiden mitten im Satz eine Pause und beenden ihn erst, wenn der Güterzug vorbei gebraust ist.

Als die Strecke für die Dauer der Bauarbeiten gesperrt war, haben die beiden gemerkt, wie schön es ist, bei gekipptem Fenster schlafen zu können. Seitdem aber der normale Fahrplan wieder gilt, ist Schluss mit der himmlischen Ruhe: „Wenn wir halbwegs gut schlafen wollen, müssen wir das Fenster nachts schließen.“

Die Dezibel-Zahl der Cantus-Bahnen, die ebenfalls dicht am Garten des Ehepaars vorbei fahren, sei ja noch zu ertragen. Bei den Güterzügen aber handele es sich lärmtechnisch um ein ganz anderes Kaliber. „Wenn so ein Güterzug bremst, kreischt das so sehr, dass es durch Mark und Bein geht“, sagt der 53-Jährige. Vor dem Haus in der Grünen Straße werden Güterzüge aber nicht nur oft gebremst, sondern auch rangiert. „Das quietscht dann wie wahnsinnig“, sagt Elke Asmus. In Malsfeld gebe es einen Rangierbahnhof - sie hat deshalb auch keine Ahnung, warum die Züge direkt vor ihrem Haus verschoben werden.

Vergebliche Hoffnung

Die Aussicht auf zwei oder gar drei Meter hohe Wände würde sie nicht stören: „So schön sind die Gleise nun auch wieder nicht, auf die wir jetzt gucken,“ sagt sie.

So ganz haben Rüdiger und Elke die Hoffnung auf Schallschutz eben doch nicht aufgegeben.

Das sagt die Bahn

Die Lärmsanierung an den Strecken ist gesetzlich nicht verankert. Das bedeutet, dass es keinen Rechtsanspruch von Anwohnern auf Schallschutzwände gibt. Die Bahn AG hat 1999 ein freiwilliges Lärmschutzprogramm aufgesetzt und seitdem über eine Länge von 442 Kilometern Schallschutzwände errichtet und 48 300 Wohnungen mit Schallschutzfenstern ausgestattet. Diese Zahlen findet man in der Broschüre „Schallschutz: eine Investition in die Zukunft der Bahn“. Insgesamt fließen jedes Jahr 100 Millionen Euro in das Lärmschutzprogramm. Das Geld ist für die Orte bestimmt, die auf der Prioritätenliste der Bahn stehen - und die ist lang. Sie umfasst 2050 Kommunen, die von Zuglärm betroffen sind.

Beiseförth steht allerdings nicht auf dieser Liste: Damit wird es definitiv keine Lärmschutzwände für die Familie Asmus geben.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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