Schluss mit Stolpern

Neue Pflastersteine sollen Rollstuhl- und Rollatorfreundlich sein

Mit dem Rollator kommt man auf dem neuen Pflaster gut voran: Stadtrat Claus Schiffner (vorne) braucht zwar eigentlich keine Gehhilfe, fürs Foto machte er aber den Test. Hinten Bürgermeister Markus Boucsein (2. von links) mit den Stadträten (von links) Ulrike Hund, Barbara Braun-Lüdicke, Christiane Rößler, Ralf Niebeling sowie Marion Viereck vom Seniorenbeirat. Foto: Féaux de Lacroix

Melsungen. Zu einer historischen Fachwerkstadt gehören gepflasterte Gehwege. Die Pflastersteine sehen hübsch aus, können aber ein Hindernis sein: für Rollstuhl- und Rollatorfahrer und für Kinderwagen zum Beispiel. Denn auf dem unebenen Untergrund bleiben die Räder schnell hängen. „Man stößt ständig auf einen Widerstand“, sagt Robert Weck, ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Melsungen.

Das Problem 

Am komfortabelsten für Rollstuhlfahrer wäre natürlich ein vollkommen glatter Untergrund, etwa Asphalt. Aber: „In einer historischen Altstadt kann man nicht alles zubetonieren“, sagt Bauamtsleiter Martin Dohmann. Dennoch wollte die Stadt eine Lösung für das Problem finden. „Wir alle werden älter, wir alle werden eines Tages mit Rollatoren unterwegs sein“, sagt Dohmann.

Die Lösung

Robert Weck

Die Stadt hat nun zumindest auf einem Abschnitt der Fritzlarer Straße Abhilfe geschaffen: Auf beiden Seiten wurde speziell für die Stadt angefertigtes Granit-Pflaster verlegt. Die Kosten dafür belaufen sich auf 210 000 Euro. „Diese Pflastersteine sind gesägt und geflammt, und haben dadurch eine besonders glatte Struktur“, erklärt Dohmann. Damit bieten sie einen ebenen Untergrund, auf dem man auch mit Rollstuhl und Rollator gut fahren kann.

Das Testurteil 

Das bestätigt auch Robert Weck, der selbst im Rollstuhl sitzt, nach der ersten Testfahrt: „Mein Urteil lautet: gut“, sagt er, „das Pflaster hat den Test bestanden.“ Auch eine Rollstuhlfahrerin, die vorbeikommt, findet: „Das ist viel angenehmer zu fahren als auf dem anderen Pflaster, weniger holprig – und man kann mit dem Rollstuhl gerade stehen.“ Ein Segwayfahrer macht ebenfalls den Vergleich – selbst mit seinen dicken Reifen spürt er einen Unterschied zwischen den beiden Pflastersorten.

Eine Fußgängerin mit Rollator stellt ebenfalls fest, dass das neue Pflaster besser sei als das alte, bemängelt aber die relativ tiefen Furchen zwischen den einzelnen Steinen: „Die müssten zugemacht werden“, sagt sie.

Die weiteren Pläne 

Im Zuge des Umbaus der Fritzlarer Straße soll auch eine Rampe an der Augenarztpraxis angebracht werden, um Rollstuhlfahrern den Zugang zu erleichtern, berichtet Robert Weck. Außerdem sollen die Pflastersteine auf der Bartenwetzerbrücke abgeschliffen werden, um diese besser begeh- und befahrbar zu machen, kündigt Bauamtsleiter Dohmann an. Die Idee dazu kam ihm, als er ähnliche Arbeiten im Urlaub in Konstanz sah. Mit der Schweizer Firma, die diese Abschleifarbeiten erledigen kann, hat die Stadt bereits Kontakt aufgenommen.

Aus Sicht der Rollstuhlfahrerin, die gerade das neue Pflaster getestet hat, sind die geplanten Arbeiten an der Bartenwetzerbrücke dringend nötig. Sie könne die Brücke mit dem Rollstuhl kaum befahren, das sie Gefahr laufe, umzukippen.

Quelle: HNA

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