Patienten unterschätzen häufig Gefahren von Analgetika

Schmerzmittel werden massenhaft geschluckt

Wolfhager Land. Medikamente gegen Schmerzen können gesundheitsgefährdend sein. Bis zu 500 000 Menschen sind hierzulande nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen abhängig von Schmerzmitteln. Helmut Frömmel, leitender Arzt der Suchtabteilung der Vitos Kurhessen in Merxhausen, behandelt pro Jahr zwischen fünf und acht Betroffene. „Doch es gibt eine hohe Dunkelziffer an Abhängigen“, sagt Frömmel.

Wer gelegentlich eine Tablette nimmt und sich an die Vorgaben der Patienteninformationen hält, sei nicht suchtgefährdet, erklärt Dr. Uwe Hecht, Leiter der Abteilung für Anästhesie an der Wolfhager Kreisklinik. Er warnt: „Wenn ein Schmerzmedikament jedoch regelmäßig, vielleicht sogar täglich, eingenommen wird, um die Befindlichkeit zu verbessern, kann man von einer Sucht sprechen.“

Jedes Jahr registriert das Mainzer Giftinformationszentrum hessenweit circa 700 Fälle von Vergiftungen durch Schmerzmittel. 2010 waren es laut Hans-Jürgen Reinecke, Leiter des Zentrums, 674 Fälle, bei 415 davon sei die Vergiftung eine Folge von Selbstmordversuchen gewesen. 67 Mal wurden Analgetika missbräuchlich verwendet. „Das heißt, dass bei Rücken- oder Kopfschmerzen zu viel eingenommen wurde“, erklärt Reinecke.

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) warnt vor gesundheitlichen Risiken für Patienten, die Schmerzmittel über längere Zeit regelmäßig einnehmen. Einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge erhöhe sich das Schlaganfallrisiko bei Patienten mit Gefäßkrankheiten, wenn sie langfristig Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen einnehmen. Demnach sind im Jahr 2005 hessenweit 20 846 Schlaganfälle aufgetreten. „Ob und wie viele Schlaganfälle im Zusammenhang mit Schmerzmitteleinnahme stehen, darüber gibt es keine Daten“, teilt Silke Stark von der DSG mit. Seite 2

Von Stefanie Dietzel

Quelle: HNA

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