Schnee statt Sommerhitze - Julia Gomez hat Deutschland lieb gewonnen

+
Will gerne in Deutschland bleiben: Julia Gomez (Zweite von links) mit Gastmutter Silke Kralinger (ganz links), Gastvater Hans-Joachim Schröder und Gastschwester Julia.

Borken. Sie liebt Currywurst, deutsche Pünktlichkeit und Schnee. Die 17-jährige Julia Gomez aus Bolivien ist seit September vergangenen Jahres in Borken und möchte am liebsten gar nicht mehr weg.

Spricht man Julia auf ihre Eindrücke von Deutschland an, strahlt die Bolivianerin. Sie fühlt sich bei ihrer Familie und in Borken wohl. Und das, obwohl hier vieles anders ist als in ihrer Heimat Santa Cruz.

Zum Beispiel das Wetter: Als sie mit der Austauschorganisation AFS in Frankfurt landete, lag eine 25-stündige Reise hinter ihr. "Ich hab gedacht, dass es in Deutschland kalt ist und hatte eine dicke Jacke an. Ich war viel zu warm angezogen", erzählt sie. Die Verständigung mit ihren Gasteltern klappte gut, aber nicht auf Deutsch. "Ich konnte nur Tisch und Glas sagen. Mehr nicht", sagt Julia. Schließlich hatte sie vorher nur zwei Monate Deutschunterricht.

Ihr Vater hatte sie motiviert, nach Deutschland zu gehen. "Er war ein Jahr in Deutschland und spricht immer noch davon", sagt sie. Auch ihr Bruder spricht Deutsch mit Schweizer Akzent.

Ihre Gasteltern in Borken nennt sie längst Papa und Mama. Die freuen sich über Julia. "Sie belebt den Alltag, man wird wacher und offener", sagt Silke Kralinger. Vom Fleiß ihrer deutschen Mitschüler war Julia überrascht: "Im Unterricht melden sich immer alle und machen mit. Das ist in Bolivien anders." Auch mit den Größenunterschieden hat sie Probleme: "Die Deutschen sind alle riesig. Ich habe Probleme im Klassenzimmer aus dem Fenster zu schauen", sagt sie grinsend. In ihrer Freizeit hilft sie im Altenheim St. Marien in Homberg. Sie bringt den Senioren Essen, bietet Yoga-Übungen an und unterhält sich. "Ich mag Kinder und ältere Menschen", sagt sie. Mit ihrer Lieblingsoma kommt es aber auch zu Missverständnissen. "Sie redet sehr schnell. Am Anfang wollte sie einen Löffel und ich wusste nicht, was das ist. Da habe ich einfach Messer, Gabeln und Löffel gebracht."

Im Juli geht es zurück nach Bolivien. "Ich vermisse vor allem meine Eltern. Und das Wetter." Eines wird sie nicht vergessen: den Schnee. "Oh, das war so schön. Ich musste den Schnee immer anfassen." Weil es ihr hier so gut gefällt, will sie nach der Schulzeit zurückkommen und studieren. Doch bis sie zurück geht, genießt sie die Zeit mir ihrer deutschen Familie.

"Die Menschen haben hier mehr Zeit als in Bolivien." Abends sitzt sie häufig mit der Familie im Wohnzimmer. Und schläft auch neben dem warmen Ofen ein.

Von Max Holscher

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare