Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, sagt der Neurologe Dr. Bernd Schade

Je schneller, desto besser

Untersuchung: Dr. Bernd Schade, Neurologe und Leiter der Schlaganfall-Abteilung in der Hephata-Klinik, beim CT. Foto: privat

Schwalm-Eder. Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Je schneller der Patient in eine entsprechend ausgestattete Klinik kommt, desto geringer fallen die Schädigungen aus. Denn „Schnelligkeit schont Gehirnzellen“, fasst Dr. Bernd Schade, Leiter der Schlaganfall-Abteilung der Hephata-Klinik in Treysa, zusammen.

Als effektivste Behandlung gilt heute die Lyse-Therapie bei einem ischämischen Schlaganfall. Damit wird die Art von Schlaganfall bezeichnet, die durch ein Blutgerinnsel, das die Hirnarterie verstopft, ausgelöst wird. Mit Hilfe der Lyse-Therapie, bei der Medikamente per Tropf intravenös verabreicht werden, kann das Gerinnsel aufgelöst werden. Die Behandlung hat die größten Erfolgsaussichten, wenn sie möglichst schnell, maximal viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Symptome, beginnt, so Dr. Schade.

Schnelle Behandlung

Neue Zahlen der Geschäftsstelle für Qualitätssicherung Hessen (GQH) belegen für die Hephata-Klinik eine überdurchschnittliche Thrombolyse-Rate in der Schlaganfallbehandlung. Im vergangenen Jahr wurden 15 Prozent der Schlaganfall-Patienten in die Hephata-Klinik, lysiert. Hessenweit waren es 13,1 Prozent. Beim Anteil der Patienten mit schwerer Symptomatik und kurzer Symptomdauer lag die Lyse-Behandlung in der Hephata-Klinik sogar bei 53,3 Prozent.

Eine Lyse-Therapie hat allerdings auch ihre Grenzen, Sie kann nach Darstellung von Schade nur eingesetzt werden, wenn bestimmte Risikofaktoren ausgeschlossen sind. Dazu zählen unter anderem Magengeschwüre, Leberschäden, Bluthochdruck und erhöhte Blutungsneigung.

Um die Ursachen des Schlaganfalls und die Risikofaktoren für eine eventuelle Lyse schnell zu ergründen, werden in der Hephata-Klinik, unmittelbar nach Einlieferung neurologische Untersuchungen, Blutlaborwerte und eine CT-Untersuchung eingeleitet. „Von der Einlieferung bis zum Beginn der Behandlung vergehen meist weniger als 45 Minuten“, sagt der Neurologe Dr. Bernd Schade, einer von drei Chefärzten der Klinik. Je eher die Patienten die Klinik erreichten, desto besser sind die Heilungsaussichten.

Im vergangenen Jahr erreichten ein Drittel der Patienten die Klinik innerhalb der ersten drei Stunden. „Das ist gut, aber noch nicht gut genug. Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Denn bei einem unbehandelten Schlaganfall sterben immer mehr Nervenzellen ab“, beschreibt Schade das Risiko. Schätzungen zufolge sterben pro Stunde so viele Neuronen ab, wie sonst aufgrund normaler Alterung in 3,6 Jahren.

899 Schlaganfälle im Kreis

Die gute Lyse-Rate der Hephata-Klinik führt Schade auf die eigene Schlaganfall-Abteilung zurück. Dort stehe ein Team aus Neurologen, Internisten und Fachpflegern sowie Logo-, Physio- und Ergotherapeuten rund um die Uhr zur Verfügung. Laut GQH wurden im vergangenen Jahr 29 Prozent aller Schlaganfallpatienten im Schwalm-Eder-Kreis in der Klinik behandelt.

Insgesamt erlitten 899 Menschen im Schwalm-Eder-Kreis im Jahr 2013 einen Schlaganfall, hessenweit waren es 23 592. Am stärksten betroffen war die Altersgruppe der 65- bis 84-Jährigen. (ras)

Quelle: HNA

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