Tonfiguren in Fayence-Technik gingen von Treysa aus in die ganze Welt

Schönheit gegen Zeitgeist

Imposant: einige Arbeiten aus der Keramikwerkstatt von Else Hoffmann. Fotos: Rose

Treysa. In der Schwalm werden bis heute traditionelle Töpferwaren angefertigt, jeder kennt die eindringliche Motivik, die sich zum Teil auch in der Schwälmer Stickerei wiederfindet. Dabei gab es neben dem Gebrauchsgeschirr, das unter anderem in der Werkstatt von Werner Dörrbecker in Treysa entstand, noch eine zweite Werkstatt auf dem Harthberg. Else Hoffmann betrieb bis 1970 dort eine Fayence-Werkstatt.

Die gebürtige Frankfurterin zog es nach dem Krieg mit der Familie zunächst nach Willingshausen, dann nach Treysa. Keramikerin Monika Dörrbecker lernte die Künstlerin bereits 1963 auf einer Messe für Kunsthandwerker kennen. Später trafen sich die Frauen in der Schwalm wieder. „Als ich die bezaubernden Arbeiten von Else Hoffmann das erste Mal sah, war mir klar, dass ich etwas sehr Besonderes vor mir habe“, erklärt Dörrbecker, die etliche Stücke der 1970 verstorbenen Künstlerin besitzt.

In Treysa habe sich zwischen den Familien Dörrbecker und Hoffmann eine Freundschaft entwickelt, die bis heute anhalte. Auffallend sei gewesen, erläutert die Treysaer Keramikerin, dass Else Hoffmann damals Arbeiten fertigte, die in keinster Weise dem damaligen Zeitgeist entsprachen: „In den 1960er-Jahren war die Formensprache sehr viel schlichter.“

„Sie hat ein eigenständiges Künstlerleben geführt.“

Monika dörrbecker über Else Hoffmann

Besonders die Malereien von Hoffmann seien auffällig schön sowie von Können und Kunstfertigkeit geprägt gewesen. Die Künstlerin habe ihre Technik ausgefeilt, sei sehr fachmännisch mit den Materialien umgegangen: Sie stellte Gipsformen her, um seriell anfertigen zu können. „Es waren keine Töpfereien im eigentlichen Sinne“, erläuterte Dörrbecker. Schnell habe sich eine große Schar von Liebhabern für diese Technik gefunden. Else Hoffmann wurde nicht nur in der Bundesrepublik bekannt, Kunden kamen auch aus dem In- und Ausland.

Eine Mitteilung aus der Werkstatt Hoffmann belegt, dass es sogar durchaus prominente Abnehmer gab: „Die auf einer Ausstellung in Wiesbaden gezeigte Weihnachtskrippe wurde von Mitgliedern der englischen Königsfamilie erworben“, erzählt die Treysaerin. Im Rundfunk sei damals über Else Hoffmann berichtet worden. Die Künstlerin sei bis zu ihrem Tod tätig gewesen. „Sie hat ein wirklich eigenständiges Künstlerleben geführt und das auch an ihre Kinder weiter gegeben“, erklärt Monika Dörrbecker.

Familie zog fort

Ihre Tochter Lene, ebenfalls Keramikerin, habe die Werkstatt noch einige Jahre betrieben, dann zog die Familie weiter. In Willingshausen sei 1992 noch einmal an Else Hoffmann erinnert worden. Damals widmete man ihr die Ausstellung „Eine Welt in Fayencen“.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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